Schlichte Blume

Bloody Memories

Kapitel 1 Ein neuer Anfang

Es regnete jetzt schon scheinbar eine Ewigkeit. Graue Wolken zogen endlose Bahnen über dem noch vor wenigen Tagen sonnenverwöhnten Himmel von Washington. Die Sonne hatte nun aber keinerlei durchkommen mehr. Auch die Wetterberichte versprachen innerhalb der nächsten Zeit keine Besserung. Wie schon seit den letzten Tagen kämpfte der kleine unscheinbare Militärstützpunkt weit außerhalb der hektischen Hauptstadt gegen die Wassermassen, die unerschöpflich schienen. Die Konstruktion der Base hatte mit solchen Wetterveränderungen nicht gerechnet. Darauf waren weder die Plattenbauten noch die Hallen vorbereitet. Colonel Thomas Matthew, der schon seit über 15 Jahren hier stationiert war, hatte viel während seiner Militärlaufbahn erlebt, aber so etwas nicht. “Gegen den Feind gehen wir mit Waffengewalt vor, haben die neuste Technik im Bereich Rüstung aber gegen ein bisschen Regen müssen wir die Segel streichen.” er lachte leise in sich hinein, als er die verzweifelten Bemühungen seiner Leute bemerkte und das laute Fluchen der Sekretärin Carolyn Dorson hinter sich aus dem Verwaltungsgebäude hörte.  Mit Sicherheit hatte sich mal wieder ne Wasserlache im Eingangsbereich gebildet und diese Frau war ein Putzteufel. Er blieb im überdachten Bereich stehen und hoffte da der Regen soweit nachließ, das er wenigstens bis zu seinem Büro in einem einigermaßen trockenen Zustand kam. Scheinbar wurde seine Geduld nicht gerade belohnt.
Es vergingen einige Minuten, als er ihn bemerkte. Der schwarze Ford Mustang kam ihm mehr als bekannt vor. “Nein, das kann doch nicht sein. Sie hat doch... Oh man, das musste ja jetzt kommen.” fluchte er und verdrehte die Augen. Die Fahrerin des Fords parkte neben dem Verwaltungsgebäude und stieg aus. Langes rotbraunes Haar zum Zopf gebunden fiel über ihren Rücken, hellblauen Augen die er vor sich sah. Sie hatte ihre schlanke Figur über die letzten Jahre behalten, allerdings war der Kampfanzug der Navy Seals selbst für ihn neu. Diese Frau war ihm unheimlich. Er hatte sie ausgebildet, war aber nie wirklich aus ihr schlau geworden. Der Regen schien die junge Frau nicht zu stören, Innerhalb von wenigen Sekunden war sie pitschnass, schloss aber in aller Seelenruhe erst einmal ihr Auto ab, holte eine Tasche aus dem Kofferraum und kam dann zu ihm. Sie schaute ihn grinsend an.
Samantha Marshall hasste es zugeben zu müssen, aber irgendwie freute sie sich ihn wiederzusehen nach all den Jahren. Er war älter geworden, das graue kurze Haar bekräftigte es noch. Wie alt mochte er jetzt sein? Wenn sie sich nicht verrechnet hatte, war er inzwischen auch schon 48. Die Uniform eines Colonels überraschte sie doch ein wenig. Er war doch noch befördert worden. Die stahlkalten graublauen Augen waren doch noch die selben, allerdings war er nicht mehr so durchtrainiert wie als sie die Base verlassen hatte. Viel war in den letzten Jahren passiert. “Master Sergeant Samantha Marshall. Mit jedem hätte ich heute noch gerechnet aber nicht mit dir.” riss er sie aus den Gedanken. “Noch ein wenig förmlicher Thomas und ich dreh dir den Hals um. Sitz der neue Rang ein wenig zu hoch am Gehirn das es keinen Sauerstoff mehr kriegt?” sie grinste frech. Er kannte sie und ihre große Klappe. Alles was folgte war sein Lachen. “Lass das niemanden hören, wie wir reden. Wie geht’s dir?” meinte er als er aufgehört hatte. “ Soweit ganz gut. Der letzte Einsatz hat mich einige Nerven gekostet und um haaresbreite meinen linken Arm, aber das weißt du doch. Okay, zum Thema. Warum hast du mich als Ausbilderin angefordert?” ihre lockere Art verschwand und es machte sich Ernsthaftigkeit in ihrem Gesicht breit. “Ich hab den Bericht von deinem letzten Einsatz gelesen. Was erwartest du? Das dich die Seals nach der Sache einfach so wieder zurück nehmen? Ich hab deinen Kopf in letzter Sekunde aus der Schlinge gezogen Sam.” antwortete er. “ Das die Sache aus dem Ruder gelaufen ist war nicht meine Schuld.” gab sie gereizt zurück. “Nicht deine Schuld? Wie die 21 Toten die auf dein Konto gingen laut Bericht?” er schien genauso gereizt wie sie. “Du weißt nicht, was da wirklich passiert ist Thomas. Und du weißt auch, das ich nicht darüber reden darf. Und jetzt lass uns aufhören. Das bringt doch alles nichts.” seufzte sie und ging sich mit der Hand durchs nasse Haar. “Lass uns n Kaffee trinken. Ich glaub den können wir beide gebrauchen.” seine Hand auf ihrer Schulter beruhigte sie wieder. Er war einer der wenigen wirklichen Freunde der ihr geblieben waren. Die Bilder die sie verdrängt hatte, kamen wieder hoch. Mit aller Gewalt drängte sie sie zurück.
Thomas bemerkte wie sie merklich zu Zittern begann. “Hey, alles in Ordnung?” fragte er besorgt. Er bekam keine Antwort nur ein Nicken. Noch nie hatte er sie so zerbrechlich erlebt wie in diesem kurzem Moment.
Sie legte die Hände um die warme leere Tasse. Thomas Büro war genau so wie sie sich das vorgestellt hatte: Unordentlich, chaotisch und voller Akten. “Na, gefällt dir ein Schreibtischjob?” neckte sie ihn. Er setzte sich auf seinen Schreibtischstuhl nachdem er ihn von einigen Unterlagen befreit hatte: ”Für ein doppeltes Gehalt nehme ich einiges in Kauf. Du weißt doch, Kinder und Frau kosten dich einiges. Freu dich, du bist ja noch immer Single.” ,entgegnete er nur, “Was hast du die letzten Jahre so getrieben?” Müde lehnte sie sich zurück. Die lange Fahrt hatte sie ganz schön geschlaucht. “Air Force, Navy, Seals, ... Du kennst mich. Mich hält es nirgends lange.” sie gähnte “Deine Unterkunft ist die zweite von rechts von meiner aus gesehen. Leg dich hin. Du schläfst mir noch im Sitzen ein.” ein Lächeln glitt über seine Lippen.
Ihre Unterkunft war einfach eingerichtet. Bett, Schrank, Schreibtisch und ein kleines Bad. Sie entschloss sich, ihre restlichen Sachen später aus dem Auto zu holen. Sie war einfach zu müde. Halb schlafend schmiss sie sich aufs Bett. Es tat ihr in der Seele weh, aber sei konnte Thomas einfach nicht die ganze Wahrheit sagen. Es waren Dinge passiert, die niemand wissen durfte. Niemand. Jemand hatte sie in der Hand. Und genau diesem Jemand wollte sie niemals wieder begegnen, aber etwas sagte ihr, das es unausweichlich war, das er es einforderte. Mir den letzten Gedanken sank sie in einen unruhigen Schlaf.

Kapitel 2 - Wendepunkte
Sie trat vor ihre neue Einheit die sie ausbilden sollte. Junge Kerle zwischen 18 und 30, eine Frau dazwischen. Ein zierliches junges 18jähriges Mädchen,. Das sie ein wenig an sich selbst erinnerte als sie angefangen hatte. Sie sah unerfahrene Gesichter, Menschen die noch nie eine Waffe in der Hand gehalten haben, geschweige denn abgefeuert oder gar jemanden getötet hatten. Auf eine seltsame Weise beneidete sie sie um ihre Unerfahrenheit. Eine Aufgabe erwartete sie, die sie nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte. Sie wusste was auf einem Kriegsschauplatz ablief. Mehr als einmal waren ihr Kugeln um die Ohren gepfiffen, hatten sie unbarmherzig zu Boden gerissen. Es war einer dieser Schmerzen, den man nie vergaß. Schnell schüttelte sie ihre Gedanken ab.
“Okay Leute. Das wird hier kein Spaziergang. Wenn ihr das denkt seid ihr fehl am Platze. Ich kann niemanden gebrauchen der mir nach 3 Liegestütze zusammenbricht wie n Kettenraucher nach neu Tausendmeter Sprint. Ich gebe euch jetzt die letzte Gelegenheit euch zu verpissen, wenn ihr euch dazu nicht im Stande seht”, sie machte eine Pause, “Niemand? Sehr schön. Wer mir auf der Nase herumtanzt oder bei irgendwelchen Kleinigkeiten versagt, fliegt. Das ist meine Regel. Mein Name ist Master Sergeant Samantha Marshall und nicht Süße, Zuckerpuppe oder was euch noch so für Mist im Schädel rumspukt. Hab ich mich klar ausgedrückt?” Ihr Befehlston war unüberhörbar scharf, das war ihr mehr als nur klar. Und genau das sollte er auch sein. Sie sah auf ihre Einheit die mit einem lauten “Ja Mam” antwortete. 25 junge Rekruten und sie stellte innerlich schon Wetten auf, wie viele es wohl maximal schaffen würden. Vielleicht die Hälfte, aber wohl weniger. Sie hatte es bei ihrer Ausbildung erlebt. Am Anfang waren sie 28 Rekruten gewesen, am Ende nur noch 12. Sie war stolz darauf gewesen, einer davon gewesen zu sein. “Sonst noch Fragen?” sie schaute nach links und rechts und erwartete keine Antwort, als doch plötzlich einer vortrat. “Mutig. Oder einfach nur leichtsinnig” schoss ihr durch den Kopf. Er war scheinbar so alt wie sie, 26 oder älter. Kurze blonde Haare, graue Augen und einen Kopf größer als sie. Er schien verdammt gut durchtrainiert und hatte sich damit schon zum Teil ihren Respekt eingefangen wenn er jetzt keinen unsinnigen Fragen stellte. “Erlauben sie mir eine indiskrete frage Mam?” seine raue Stimme ließ sie zusammenzucken. “Raus damit.” neugierig hörte sie zu. “Wie alt sind sie Mam? Ich hab ja schon einige Ausbilder gesehen, aber sie sind die Jüngste die mir jemals über den Weg gelaufen ist.” fragte er ruhig. Sie hörte kein zittern in der Stimme. Der Mann hatte Mumm, das musste sie ihm lassen. “Mutig. Ich bin 26 Jahre alt. Wie heißen sie Soldat?” sie stellte sich dicht vor ihn. “Privat Jack Krauser Mam.” gab er ruhig zurück, hielt ihrem direkten Blick stand. “Ihren Namen werde ich mir merken. Das können sie als Kompliment betrachten.” sie klopfte ihm auf die Schulter, bevor sie an ihm vorbeiging. Förmlich spürte sie seinen Blick in ihrem Rücken. Sie liebte es mit Leuten zu spielen, bis niemand mehr eine wirkliche Ahnung hatte, was in ihr vorging. “Na gut Männer und die Dame, wollen wir mal anfangen. Wird von uns keiner jünger.” grinste sie.
Sie nahm ihm die Sniperwaffe ab. “So zielt man schon mal gar nicht. Pass mit deiner Schulter auf. Der Rückstoss verpasst dir gerne mal blaue Flecke auf dem Schlüsselbein, die ganz schön nervig und schmerzhaft sein können wenn man Kevlar trägt.” sie setzte die Schutzbrille auf und legte an. Einige Momente stand sie ruhig da, bevor sie schoss und sauber die Mitte der Zielscheibe traf. Zufrieden über sich selbst setzte sie sichernd die Waffe ab. “So will ich das in wenigen Wochen von dir sehen. Atme beim zielen aus, das beruhigt die Hand.” sie gab Krauser das Gewehr wieder in die Hand, blieb aber hinter ihm stehen. Kopfschüttelnt sah sie zu wie er erneut falsch anlegte. Damit er sich nicht doch noch das Schlüsselbein brach, stellte sie sich dicht hinter ihn, fasste über seine Arme und rückte das Gewehr richtig an seine Schulter. Fast musste sie anfangen zu lachen, als sie spürte wie er unruhig wurde, während sie so dicht bei ihm stand. “Das ist keine Anmache, das ist nur ne Hilfe.” flüsterte sie. “Das hab ich nicht behauptet.” gab er nur zurück. “Sie haben keinen Humor Krauser. Wenn sie noch ein bisschen ernster wären, könnte man sie in die Verwaltung verfrachten.”  seufzte sie. “Wollen sie mich mit Absicht ablenken Mam?” er sicherte die Waffe und stellte sie ab. “Sie lassen sich ablenken Privat. Schon mal im Krieg gewesen? Live und in Farbe? Rechts von ihnen funkt jemand, Links schießt jemand und hinter ihnen schreit ihr Teampartner was zu. Da hat an keine Ruhe. Einfach an was anderes denken. Carlan, erst sichern dann abstellen. Ich brauch hier keine Schussverletzungen.” , sie drehte sich zum gehen um, “Ich bin heute Abend in der Kneipe 2 Minuten von hier. Wenn sie mehr wissen wollen, können sie mich da treffen.”
Die Kneipe war leer wie fast jedes Mal wenn sie herkam. Den Barkeeper kannte sie nun schon seit Jahren. „Sergeant Hester. Lange nicht gesehen. Wie geht’s?“ sie setzte sich an die Bar. Mike Hester schaute überrascht auf. Ein junger Mann, knapp 2 Meter groß, grüne Augen und blaugefärbtes Haar. „Master Sergeant Marshall? Was zum Geier treibt dich hierher?“ er kam zu ihr, schlug freudenstrahlend in ihren Handschlag ein. „Ist der Rest der Bloody Eagles ja fast vollständig. Hast du mal wieder was von Privat John Malkov gehört?“ sie lachte. „Tut mir echt leid dir das sagen zu müssen, aber der kleine ist tot. Jemand hat ihn letzten Monat ermordet. Seine Leiche hat man nahe New York gefunden.“ er setzte sich zu ihr. Die gute Laune war sofort verflogen. „Das kann doch nicht wahr sein. Was ist eigentlich los? Seit wir den letzten Auftrag zu Ende gebracht haben läuft son Mist ab. Die Bezahlung war einfach zu gut um ohne Nebenwirkungen zu sein. Wer hat es auf uns abgesehen Mike? Ich lass mich nie wieder auf so was ein.“ unruhig sah sie sich um. „Ich weiß es nicht Sam und ich bin auch nicht scharf drauf es herauszufinden. Eigentlich wollte ich noch n paar Jahre leben.“ zischte er und beendete damit das Thema indem er ins Lager ging. Sam seufzte. Mit so etwas hatte sie irgendwie schon gerechnet und spürte wie der Schmerz in ihrem Arm aufwallte, wenn die Erinnerungen hochkamen. Gedankenverloren strich sie über ihre Schulter. Allerdings wurde sie unsanft aus den Gedanken gerissen als sie den kalten Lauf einer Waffe an ihrem Rücken spürte: „Kein Mucks. Du hörst mir nur zu. Unser Deal ist noch nicht vorbei. Noch lange nicht. Du weißt was du zu tun hast und was auf dem Spiel steht. Denk nach.“ raunte ihr jemand, dessen Stimme ihr nur zu vertraut war ins Ohr. Der Lauf wurde weggezogen und als sie sich umdrehte war niemand mehr zu sehen. „5 Jahre. 5 verdammte Jahre und er lässt mich nicht in Ruh.“ murmelte sie. Diese Stimme war eine der wenigen aus ihrem „früherem“ Leben die sie niemals vergessen würde. Kalt und unbarmherzig hatte sie sich in ihre Seele gefressen. Ihre Hände zitterten, wanderten wie automatisch an ihren Gürtel, wo normalerweise ihre 9mm war. „Ich hasse es unbewaffnet durch die Gegend zu laufen.“ knurrte sie. In diesem Moment kam Mike zurück. „Hast du was gesagt? Ich dachte, ich hätte Stimmen gehört.“ er schloss die Tür mit einem Tritt und stellte die Kiste Fruchtsaft geräuschvoll auf den Tresen. „Nein, alles okay. Frag nicht weiter.“ sie stand auf und ging zum Zigarettenautomat und was dann geschah, machte ihr selbst Angst. Schon einmal war das passiert und da hatte es Konsequenzen gehabt. Es wurde schwarz um sie herum. Sie hörte nur noch verzerrt eine Stimme, aber irgendjemand, irgendwas übernahm die Kontrolle über sie. „Ich dachte du hast nach Argentinien aufgehört.“ allmählich machte sich Mike Sorgen um sie. „Ich hab dir schon damals mehr als einmal gesagt, halt dich aus meinem Kram raus Mike.“ ihre Stimme wurde laut, schien nicht mehr die ihre zu sein. Der Schlag in das Mauerwerk hinter ihr ließ den Putz bröckeln und Blut lief über ihre Faust. Die Dunkelheit um sie herum schwand. Mit Schrecken wurde ihr der Schmerz bewusst und das Blut. Mike sah sie blass an. Sie sah den ungläubigen Schrecken in seinem Gesicht. „Tut mir leid.“ mit zitternden Händen machte sie sich eine Zigarette an. „Was zum  Teufel war denn das?“ ,Mike sah sie mehr als entsetzt an, „Ich kenne das und das,..... Nein, nein nicht schon wieder! Argentinien. Nein, nicht noch mal.“ Er fluchte unanständige Worte und wollte gerade mit den mit den gotteslästerlichen anfangen, als sich die Kneipetür öffnete. „Oh nein, den hatte ich in dem Schlamassel ganz vergessen.“ seufzte Sam, als sie Jack Krauser erkannte. „Komme ich ungelegen Mam?“ fragte er ruhig. Unwillkürlich musste sie lachen. Mit so einem Auftreten hatte sie gerechnet: „Wir sind hier nicht auf dem Stützpunkt und ich mag keine Förmlichkeiten in meinem Privatleben. Kannst mich Sam nennen, wie die meisten.“ Sie wickelte ein Taschentuch um ihre Hand und setzte sich wieder an die Theke.
“Aus der Gegend von Los Angeles? Dann kommst aber von weit weg her.” Jack wurde ruhiger, als sie eine Weile miteinander gesprochen hatten. Sam kam er nervös, fast schon panisch vor, als sie die ersten Minuten mit ihm sprach. “Ist n ganzes Stück, aber besser das und meine Vergangenheit dalassen, als den Alptraum erneut zu erleben.” sie sah auf die Uhr. Es war noch früh am Abend. “Mike? Mike, darf ich dir Privat Jack Krauser vorstellen? Jack, das ist  Sergeant Mike Hester. Wir haben lange in einer Einheit gedient.” Sie hatte ihre Absichten, die beiden bekannt zu machen. Mike hielt ihm die Hand hin: “Freut mich. Lassen sie sich nicht von ihr unterbuttern. Zwar hat sie ne große Klappe, ist aber sonst n lieber Kerl.” Jack nahm seine Geste an. Sie stand auf und ging an die Tür. Ihre Hand schmerzte und einige Erinnerungen stiegen in ihr auf, die sie lieber hatte vergessen wollen.

Interregnum 1 - Flashback
Argentinien, 6 Jahre zuvor
Die Sonne brannte heiß. Unerträglich fast schon. Zum wiederholten Male sah sie auf die Karte und machte ihre Position aus. “Sammy, steck das Ding ein. Du machst uns alle nervös. Mike, John wartet. Unser Chefchen macht sich mal wieder unnötig Sorgen.” der junge Privat Thomas Jacobs hielt den Trupp ab weiter zu gehen. “Hey, keine Witze sonst schiebst du heut Nacht Wache.” sie schlug ihm gespielt böse an die Schulter. “Hab schon bessere Witze gehört Mam.” ,Corporal Frank Miller meldete sich zu Wort der schon seit Stunden das Tempo vorgab, “Komm in die Hufe Sam. Ich wollte in der Pampa eigentlich nicht versauern.” Er grinste, allerdings ein letztes Mal. Die Schüsse krachten von irgendwoher. Frank sah ungläubig auf seine Brust aus der plötzlich unnachgiebig Blut lief. “Runter. Schießbefehl. Leute haltet die Augen offen. Frank hat’s erwischt.” schrie sie und robbte zu Frank, der inzwischen am Boden lag und nach Luft schnappte. Er sah sie nur schweigend an und presste die Hand auf die Wunde. “Halt durch Kumpel. Wir kriegen dich hier lebend raus.” sie versuchte verzweifelt die Blutung zu stoppen, aber ihr war mehr als klar das seine Lunge zerfetzt war, als sie das Blut auf seinen Lippen sah. Kein Wort sagte er mehr, riss sich seine Erkennungsmarken vom Hals und gab sie ihr. Sie wusste was das hieß und schluckte schwer. Ein noch klareres haut ab, ich geh eh drauf brauchte sie nicht. Seit ewigen Zeiten war das in ihrer Einheit Tradition. “Ist gut Frank. Ich hab’s verstanden.” sie legte die Hand auf seine Brust. Ein Lächeln huschte über seine Lippen, bevor er die Augen für immer schloss. John, Mike und Thomas kamen zu ihr. Alle schwiegen, bis auf Thomas der sich heftig übergab. “Was bei allen Dämonen auf der Welt war denn das?” fand John die Sprache wieder. “Kein blasser Schimmer. Ich weiß ja noch nicht mal wo die Schüsse herkamen.” fluchte sie und stand auf. Es fiel ihr mehr als schwer die Leiche ihres eins besten Freundes zurückzulassen. Ab es ging nicht anders. Der Auftrag vertrug keinen Aufschub.

Kapitel 3 - Neue Wege in die Hölle
Sie war so in Gedanken versunken, dass sie Jack nicht mal ansatzweise bemerkte, der hinter sie trat. So erschreckte sie heftigst als er die Hand auf ihre Schulter legte und es auch gleich wieder bereute, als er hart auf dem Boden vor ihr aufschlug. “Oh, tut mir leid.” grinste sie ihn frech an. Er ließ sich von ihr aufhelfen. “Verdammt, so viel Kraft hät´ ich dir nicht zugetraut.” er rieb sich das Hinterteil. Es hatte wieder zu Regnen begonnen. Die schwache Außenbeleuchtung spiegelte sich in den Tropfen wieder und war ein nett anzusehendes Schauspiel aus Licht- und Farbenschatten. “Ich war grade in Gedanken. Manche Dinge passieren, wenn man sie am wenigsten erwartet. Hat dir das schon mal jemand gesagt?” verträumt sah sie dem Regenschauspiel zu. “Ja, meine Mutter als ich noch ein Kind war. Hab’s bis heute nicht verstanden.” er lehnte sich an den Türrahmen, der als einziges Schutz gegen den Regen bot. Sam seufzte. Er verstand nicht. Eigentlich hatte sie genau das erwartet, aber da war ein seltsames Gefühl, das sie nicht verließ. Irgendwas war an diesem Mann, dass sie sich nicht erklären konnte. Wie damals. Erneut stiegen Bilder auf, aber diesmal kämpfte sie sie nieder. Sie hatte für eine Nacht genug gelitten. “Hey Miss, alles in Ordnung?” von neuem riss er sie aus den Gedanken und diesmal war sie ihm dankbar dafür. “Schon okay. Danke.” ihre Hand ruhte für einen Moment auf seiner Schulter. “Ne Revange haben sie nicht zu befürchten. Ich geh selten auf Frauen los.” er lachte. Es steckte an und nach einer Weile lachte auch sie. Wären sie jetzt auf der Base gewesen, hätte sie ihm dafür den Kopf sprichwörtlich abgerissen. “Du bist unmöglich.” war alles was sie erwiderte. “Du hast einiges durchgemacht bevor du auf der Base gelandet bist, oder?”  ,er musterte sie gründlich, das spürte sie, “Dabei bist du doch nicht viel älter als ich.” “Zuviel Jack. Viel zu viel. Manchmal denke ich, ich möchte so einiges ungeschehen machen wenn es nur ginge.” sie stiefelte in den Regen. Sanft viel er in ihr Gesicht, lief ihr den Hals herab. Ein beruhigendes Gefühl endlich mal endlich einen freien Kopf zu bekommen. “Eins muss ich dir ja hoch anrechnen. Du bist die erste die sich mal meinen Vornamen merken kann.” er blieb im Trocknen stehen. “Willkommen im Leben eines kommandierenden weiblichen Soldaten.” sie breitete die Arme aus, stand im strömenden Regen wie ein kleines Kind. Jack schüttelte nur den Kopf.
“Was soll das heißen ich krieg noch einen Nachzügler? Ich bin grad mitten in der Ausbildung. Soll ich wieder von vorn Anfangen? Hatschi! Entschuldige Thomas.” Samantha nieste. Sie hatte sich doch noch eine Erkältung eingefangen. Der Colonel war spät zu ihr gekommen, die Akte eines Nachzüglers unter dem Arm den er ihr unterstellen wollte: “Es ist dringend Sam. Nur ein paar Wochen sollst du ein paar Feinschliffe vornehmen. Die Grundausbildung hat er schon. Ist ein ehemaliger Polizist, Leon Kennedy wenn ich mich nicht irre.”  Sie wurde hellhörig. Den Namen kannte sie doch. Unhörbar fluchte sie in sich hinein. Die Sache nahm ein ganz böse Wendung, das hatte sie im Gefühl. “Hatte der nicht irgendwas mit der Sache in Raccoon zu tun?” fragte sie und nahm die Akte die er ihr hinhielt. Sie brauchte da Ding nicht zu lesen. Sie wusste ohnehin das sie sauber sein würde. “ Mit was? Hey, du weißt genau warum ich über die Sache nicht mehr mit dir reden will also lass es Kleine.” zischte er sie an. Eigentlich hasste sie es wenn er das tat, aber in diesem Fall ließ sie ihm seinen Willen. “Ist ja gut. Okay, okay hast mich überzeugt. Aber wenn`s Probleme mit dem gibt, schick ich ihn dir per Postwurfsendung zurück.” gähnte sie. Sie war müde, hatte die Nacht nicht viel geschlafen. “Ja, ich weiß. Kiloweise. Sonst wird das Porto zu teuer.” gab er trocken zurück. Trotz ihrer Disziplin konnte sie sich ein Grinsen nicht verkneifen. “Jaja, ist ja gut. Ich weiß ja. Mein Humor hat die Runde gemacht. Hatschi!” ein weiterer Nieser. “Jaja heißt leck mich am.... Ach vergiss es. Ich bin dann weg. Mach ihn nicht gleich am ersten Tag alle.” er ging. “Na spitze!” war alles was ihr in diesem Moment durch den Kopf schoss. Sie wollte grad aufstehen und hinaus gehen als der Schmerz durch ihren Körper schoss und sie zu Boden riss. Unfähig einen Ton von sich zu geben oder gar zu atmen zog sie sich mit letzter Kraft auf die Knie. Warmes Blut lief über ihre Lippen, tropfte zu Boden. Ihr Atmen war nicht mehr als ein hilfloses röcheln. Da war es wieder. Ein Gefühl als würden ihre Rippen brechen, ihre Lunge zerrissen und ihre Eingeweiden zu Brei werden. Wehrlos musste sie es ertragen bis sie schließlich die Flucht in die Bewusstlosigkeit antrat.

Interregnum 2 - Bitternis
Los Angeles, 6 Jahre zuvor
“Ich hab da draußen einen meiner besten Männer verloren!” sie schrie ihren Vorgesetzten an. Der Schmerz über Franks Verlust saß noch immer mehr als tief. “Reißen sie sich zusammen Master Sergeant. Sie wissen mit wem sie hier reden oder?” sein Ton war scharf, aber in diesem Moment war ihr das so was von egal. “Ja, mit einem der größten Schwachköpfe der Nation. Ich bin raus aus dem Spiel. Mir reicht es.” sie wollte gehen. Erst wollte sie es nicht wahrhaben, aber dann bemerkte sie das sie gar nicht daneben lag. Er lachte und sie konnte sich dafür keine Erklärung geben. “So einfach kommen sie da nicht raus. Jemand hat ihre Akte eingesehen und sie angefordert. Tja, sie werden uns verlassen, aber nicht so wie sie es vorhatten. Ein Großkonzern namens Umbrella hat sie angeheuert. Fragen sie nicht warum, ich weiß es auch nicht. Ich weiß nur die haben ihre Finger auch in der Waffenforschung. Und nun dürfen sie wegtreten.” er wandte sich wieder seinen Papieren zu ohne sie eines weiteren Blickes zu würdigen.
“Was soll das heißen du haust ab?” Mike stellte sich ihr in den Weg als sie die Base verlassen wollte. “Ich muss. Hab einen neuen Auftraggeber. Sagt dir die Firma Umbrella was?” sie stellte ihre Tasche ab. So einfach wollte sie ihre Jungs nicht verlassen. Irgendwie fühlte sie sich unwohl bei dem Gedanken, aber nun war es zu spät. “Ja, n Konzern der überall seine Finger im Spiel hat. Was wollen die von dir?” er ließ nicht locker. “Erstens: Frag mir keine Löcher in den Bauch und Zweitens: Mach es mir nicht so schwer.” eine kurzes trauriges Lächeln und sie verließ die Base die jahrelang ihr zweites und auch einziges Zu Hause gewesen war.

Kapitel 4 - Alte Bekannte
Das Licht blendete sie, brannte in ihren empfindlichen Augen. Ihr Rücken fühlte sich an, als hätte sie auf einem Nagelbrett geschlafen. Und da war es wieder. Das seltsame Gefühl des totalen Zeitverlustes. Wie lange war es her? Sie wusste es nicht. Ein Blick auf die Uhr brachte ihr nur ein verschwommenes Bild. Das Blut in ihrem Mund nahm den metallenen Geschmack an, der ihr so vertraut war. Schmerzerfüllt zog sie sich auf die Beine. Es war unkontrolliert geworden, machte was es wollte. Das machte ihr mehr als nur Angst. Hasserfüllt entfuhr ihr ein Schrei. Ein Kribbeln durchlief ihren Körper, drohte sie erneut zu Boden zu reißen. Wieder wurde ihr schwarz vor Augen. “Diesmal ist es vorbei.” schoss ihr noch durch den Kopf. Nur diesmal waren da zwei Hände, die sie abfingen, bevor sie zu Boden ging. “Hey, was machen sie fürn ‘nen Scheiß?” meinte eine vertraute Stimme, zog sie auf die Beine. “Wo zum Teufel kommst du denn jetzt her Jack?” entfuhr ihr. “Von draußen, wo sonst. Sie sind ne halbe Stunde nicht aufgetaucht. Und ich war der Dumme der nach ihnen schauen sollte und scheinbar keine Minute zu spät. Frage: Wer hat ihnen denn ein paar verpasst?” er fasste unter ihr Kinn, zog ihren Kopf ein wenig hoch. Verlegen entzog sie sich ihm und wischte sich das Blut aus dem Gesicht. “Alles in Ordnung. Mach dir keinen Kopf. Wenn wir unter uns sind, bleib beim du. Ich hasse dieses ewige gesiezte.” erwiderte sie ruhig. “Sieht zwar nicht nach alles in Ordnung aus aber letztenendes musst du das wissen.” er lächelte. Er mochte sie, das spürte sie nur zu deutlich und genau das bereitete ihr unbehagen. Seit Jahren ließ sie niemanden mehr wirklich nah an sich und da sie ihn so nah an sich heranließ war schon seltsam genug. Sie hätte sich selbst dafür Ohrfeigen können. “Jetzt hör auf dir Sorgen zu machen. Mir geht’s gut. Wirklich. Ich hab das zwischendurch. Ist nichts ernstes.” seufzte sie. “Ist ja schon gut. Ich frag gar nicht weiter.” gab er nach.
“Oh my God! Wo haben sie schießen gelernt Leon? Wenn’s nach mir ginge würden sie ja nicht mal die Längsseite einer Scheune treffen.” sie sah sich am Schießstand die Künste ihres Neulings an, die alles andere als gut waren. Samantha schüttelte den Kopf. Bei dem musste sie bei 25 Prozent anfangen. Die Grundkenntnisse hatte er, keine Frage. Nur der Feinschliff fehlte. Er sah sie fragend an. “Ja, schauen sie nicht so komisch. Ich weiß, das sie Polizist gelernt haben, aber das ist einfach nur lächerlich. Tut mir leid.” genervt nahm sie ihm die 9mm Baretta aus der Hand und schoss einige Schuss mit einer Hand drei Schuss blind auf die Zielscheibe. Alles Volltreffer. Ungläubig sah sich Leon die Treffer an. “So macht man das. Sie wollen ein US Agent sein? Da lacht mein Seal Herz drüber. Leon, ich bin Navy Seal. Ich hab als einfache Soldatin angefangen und mich schnell nach oben gearbeitet trotz meines Alters. Also, noch mal. Kriegen sie das besser hin?” ihre Worte waren ein wenig zu hart geworden, deshalb war sie zu Ende hin ruhiger geworden. Er nickte nur. Sie ging an ihm vorbei. Er war noch verdammt jung, Anfang zwanzig. Seinem Aussehen nach hätte sie ihn jünger geschätzt. Kinnlanges braunes Haar, braune Augen und unheimlich blass. Aber er hatte mehr auf dem Kasten als es den Anschein hatte. Da war sie sich sicher. Immerhin hatte er Raccoon überlebt. Und wenn sie an ...... Unwillkürlich zuckte sie zusammen. Beinahe wären sie wieder hochgekommen. Die Bilder die sie verdrängt hatte. Und ihr alter Freund, den sie verloren hatte, durch den Verrat eines anderen, den er teuer bezahlte.

Interregnum 3 - Neu
Das man sie als Söldner angegiert  hatte, das hatte sie nicht geahnt. Aber eigentlich hätte sie es sich denken können, nachdem wie sich ihr Vorgesetzter ausgedrückt hatte. Umbrella zahlte gut, das musste sie ihnen lassen. Aber dafür durfte man keine Fragen stellen. Ihr Vorgesetzter war ebenfalls ein seltsamer Kauz aber sie kam mit ihm zurecht. Besser als es jemals in ihrer Militärlaufbahn gewesen war. Mikhail Victor hieß er. Das wusste sie. Gleich zu beginn war sie mit ihm “zusammengestoßen” im wahrsten Sinne des Wortes. “Sagen sie mal Miss, haben sie keine Augen im Kopf?” er half ihr trotz seines scharfen Tones auf. “Hab sie nicht gesehen. Sorry.” gab sie verlegen zurück. Mit hochrotem Kopf rieb sie sich den Staub vom Hintern. Ausgerechnet ihr musste so was passieren. Immer am ersten Tag hatte sie nichts als Pech. “Schon okay. Haben sie sich was getan?” er sah sie an. “Nein, bin okay, danke. Verraten sie mir ihren Namen?” meinte sie verlegen. “Mikhail Victor.” meinte er ruhig. “Na toll, und ich lauf volles Pfund in meinen Zugführer. So ein verdammter...” die Situation wurde für sie immer unangenehmer. Mikhail lachte nur: “Jetzt beruhig dich mal. So schlimm ist es nu auch wieder nicht. Kann jedem passieren. Solange mir das bei neu Einsatz nicht vorkommt. Samantha Marshall, richtig?” “Das wird’s garantiert nicht. Und stimmt genau.” sie fand ihr lachen wieder.

Kapitel 5 - Ein leises Vertrauen
Es war schon Nacht, aber an Schlaf war für Sam nicht zu denken. Zu viele Dinge gingen ihr durch den Kopf. Zuviel Dinge, die ihr schwer auf dem Herzen lagen. Erinnerungen, Dinge im jetzt, Dinge die sie noch tun musste. Sie saß auf dem Trainingsplatz und war so in Gedanken versunken, dass sie ihn gar nicht bemerkte. “20 Dollar, wenn ich deine Gedanken lesen könnte.” Jack setzte sich zu ihr. “Du würdest mir 100 Dollar geben damit du’s wieder vergisst. Vertrau mir.” ,seufzte sie, “Und was machst du um diese Uhrzeit hier? Du musst um 4 Uhr wieder raus.” Er sagte nichts, blieb einfach nur bei ihr sitzen. Eine angenehme Ruhe machte sich breit. Es war einfach nur seine Gegenwart, die sie ein wenig beruhigte. “Manchmal frag ich mich, was in deinem Kopf vorgeht Samantha. Für einen Moment bist du hochkonzentriert, dann wieder weit weg mit deinen Gedanken. Meinst du es bemerkt niemand?” Jack lehnte sich zurück. “Das weiß ich selbst. Das brauchst du mir nicht erzählen. Du hast ja keine Ahnung was hinter mir liegt. Manchmal erinnert ihr mich an vieles was ich erlebt habe.” sie lächelte ihn an und sie bemerkte die Röte, die ihm ins Gesicht stieg. Unwillkürlich musste sie lachen. Das sie ihn allein damit zur Verlegenheit brachte? Sie wusste nicht wirklich warum, aber sie rutschte näher an, lehnte den Kopf an seine Schulter. Es war ein Impuls, dem sie einfach nachkommen musste. Nach einem Moment spürte sie, wie er zögernd den Arm um ihre Schultern legte. “Wenn uns jemand so erwischt, sind wir dran, das ist dir klar, oder?” flüsterte er. “Ich weiß, aber weißt du auch wie egal mir das ist?” lachte sie leise. Er sagte nichts, schaute in die Sterne. Sie schloss die Augen. Wieder kamen sie hoch. Die Bilder, die sie lange Zeit verdrängt hatte. Nur dieses Mal, hatte sie keine Angst davor.


Interregnum 4 - Horrorshow
Schüsse, Explosionen und der Geruch nach Schwarzpulver. Schwer atmend und mit der Shotgun in der Hand schmiss sich Sam hinter die nächste Wand. Die Druckwelle der Explosion war hart, riss sie beinah zu Boden. “Mikhail! Nicht schlappmachen.” sie riss ihn wieder hoch auf die Beine. Jemand hatte ihn angeschossen. Der Blutstrom aus seiner Wunde versiegte nicht. Die Kugel hatte sich gnadenlos durch seine Bauchdecke gebohrt. Er atmete schwer und hastig. Seit sie zu diesem Einsatz in der Kleinstadt Raccoon City gekommen waren, lief alles schief. Sie hätten Zivilisten evakuieren sollen. Mit diesen ... Wesen hatten sie nicht gerechnet. “Zombies.” war es Sam durch den Kopf geschossen. Sie sahen aus wie Menschen, tote Menschen die durch die Stadt sich ihren Weg bahnten. Mit Schmerz erinnerte sie sich an die aus ihrem Trupp, die von diesen Zombies zerfleischt worden waren. Mike, Jason, Carter. Schnell schüttelte sie den Gedanken ab. Mikhail stützte sich schwer auf ihre Schultern. Selbst durch die dicke Jacke spürte sie wie warm er war. Er hatte nicht mehr lange zu leben, wenn die Wunde nicht versorgt werden würde, das war ihr bewusst. Nur, über Funk Hilfe anzufordern hatte sie schon versucht. Ohne Erfolg. Sie hatte nur statisches Knistern gehört. “Mikhail? Noch bei dir?” fragte sie leise. “Ja. Denke ich zumindest.” kam heiser zurück. “Wir brauchen Schutz und du n Arzt.” sie sah sich um, nach einer Möglichkeit wenigstens  ein paar Minuten Pause machen zu können und gleichzeitig die Umgebung gut im Auge zu behalten. “N kaltes Bier und ne runde Schlaf wäre auch nicht verkehrt.” meinte er. “Scherzbold. Du verblutest mir hier, aber musst noch Witze reißen. Dann kann’s ja so schlimm nicht sein.” grinste sie. Ihr fiel die Tiefgarage auf. “Besser als nichts. Da kann ich wenigstens ne Ecke suchen, wo ich den Rest im Auge hab.” dachte sie.
Kaum hatte sie Mikhail an die Wand gelehnt hingesetzt, verlor er das Bewusstsein. Die Jacke war an der Einschussstelle inzwischen blutgetränkt. “Komm schon. Jetzt kratz mir hier nicht an.” murmelte sie, fühlte nervös nach seinem Puls, erleichtert darüber, das sie ihn spürte. Sie nahm das Band ab, das sie immer am Handgelenk trug. Ein Geschenk von einem alten Freund und presste es auf die Wunde. Sie hatte kein Verbandsmaterial dabei und die beiden Sanitäter, die dabei gewesen waren, waren als erste den Zombies zum Opfer gefallen. “Scheiße.” fluchte sie in sich hinein. Sie bemerkte den Schatten hinter sich nicht, der dort schon eine Weile stand und sie beobachtete. Erst als ein Schuss krachte und sie den scharfen Schmerz in ihrer Brust spürte drehte sie sich um. Der Schmerz war bestialisch, vernebelte ihre Sinne. Warmes Blut lief über ihren Körper. Sie sah alles nur noch verschwommen. Sie versuchte dagegen anzublinzeln um zu erkennen, wer da geschossen. Alles was sie sah war ein schwarzgekleideter Mann, dann verlor sie auch schon das Bewusstsein.

Kapitel 6 - Wiedersehen nach Jahren
Der Anruf war überraschend gekommen. Sie hatte nicht damit gerechnet. Noch immer schaute sie ungläubig den Hörer an. “5 Jahre, dann die Sache in der Kneipe letztens und nu will er sich mit mir Treffen. Das sind ja ganz neue Töne von ihm.” ging ihr durch den Kopf. Sie schaute hinaus. Wieder einmal regnete es in Strömen. Es sah ihm ähnlich, das er ausgerechnet diesen Tag gewählt hatte. Nervös rieb sie ihre Hände. Es musste sein, dieses Treffen. Sie wusste, was auf dem Spiel stand. Sie dachte aber auch an Jack. Eigentlich hätte sie es nicht zulassen dürfen, das sie sich so nah kamen. Klar, sie hatte ihn gern, vielleicht auch ein wenig zu sehr. Sie schüttelte die Gedanken ab. Was sie jetzt brauchte war Konzentration. Sie kannte diese Treffen und die waren alles andere als angenehm.
Das Regenwasser lief ihr über das Gesicht. Wie schon so oft, wischte sie es einfach weg und wartete. Sie konnte sich nicht erinnern das er jemals pünktlich war. “Du bist zu spät mein Lieber.” sagte sie, als sie die Schritte hinter sich hörte. “Falsch. Du bist zu früh.” meinte er ruhig. Langsam drehte sie sich um. Er sah genauso aus wie immer. Schwarze Kleidung, das blonde Haar zurückgegelt und diese verfluchte Sonnenbrille, die den Blick auf seine Augen verhinderte. “Albert Wesker wie er leibt und lebt. Ist lange her.” grinste sie sarkastisch. “Lass die Witze Samantha. Du weißt warum ich hier bin.” er gab ihr eine Tasche. Ihr wich die Farbe aus dem Gesicht. Mit allem hatte sie gerechnet, aber nicht damit. Sie nahm sie, riskierte einen Blick hinein, obwohl sie schon wusste was darin sein würde. “Du willst, das ich es zu Ende bringe.” sie sah ihm ins Gesicht. Ein kalter Schauer lief ihr über den Rücken. “Er weiss zuviel. Mach ihn kalt oder du weißt, was passiert.” schnauzte er sie an. Sam grinste, kam nah an ihn heran. Er war ein Stück größer als sie. “Und wenn ich es nicht tue? Was willst du dann tun?” sie rechnete nun mit allem. Er nahm seine Sonnenbrille ab und sah ihr direkt in die Augen. Unbewusst zuckte sie zusammen. Seine Augen hatte sie noch nie gesehen, aber damit hatte sie nicht gerechnet. Rote Augen funkelten sie gereizt an: “Dann erlebst du mich mal wirklich sauer meine Kleine.” Es war ein Kräftemessen zwischen den beiden. Sam spürte, wie sich ihre andere Seite in ihr zu regen begann, den Schmerz in ihrem Arm, der bis auf den Rücken zog dieses Mal. “Wehr dich nicht so dagegen. Irgendwann passiert es doch.” grinste er. “ Das wird ich zu verhindern wissen Albert.” fauchte sie, drehte sich um und wollte gehen. “Hier geblieben.” Wesker  packte sie hart am Arm und riss sie zurück. Sie krachte hart gegen die Wand. Für einen Moment verlor sie die Kontrolle und Feuer loderte an ihrer Hand auf. Die Hand verfärbte sich dort grün. Bis zum Handgelenk schossen diese feinen Tentakeln aus ihrer Haut, wickelten sich um ihre Hand. “Nein!” sie schrie auf. Wie vor langer Zeit kämpfte sie ihre andere Seite nieder. Schweiß trat auf ihre Stirn, die Anstrengung war fast zu viel für sie, aber sie schaffte es. Erschöpft ging sie zu Boden. “Mach das noch mal und ich kill dich.” knurrte sie ihn an. “Na ich dachte mir doch das du’s nicht ewig unter Kontrolle hast.” eiskalt lächelte er, setzte die Sonnenbrille wieder auf. “Es ist alles deine Schuld. Du hast es von Anfang an so geplant, nicht wahr? Warum gerade ich?” sie kämpfte sich mit zitternden Knien auf die Beine. “ Du stehst ihm am nächsten. Du hast einfaches Spiel an ihn ranzukommen. Deine Zeit läuft Sam.” er ging. “Verdammtes...” weinend ging sie zu Boden. Sie hatte keine andere Wahl.

Kapitel 6 - Des Schmerzes Ende
“Was ist los mit dir? Du bist doch sonst nicht so.” Jack nahm sie in seine Arme, drückte sie sanft an. Eigentlich liebte sie es, wenn er das tat, aber heute tat es ihr nur weh. Sie riss sich los: “Nichts ist. Lass mich einfach in Ruhe.” sie prüfte die letzte Waffe sorgfältig. Es war der Tag, an dem die Ausbildung beendet worden war. Jack und Leon waren die einzigen, die noch auf dem Stützpunkt waren. Eine eiskalte Hand legte sich um ihr Herz. Sie wollte Jack nicht verletzen, aber ihn auch nicht unwissend lassen. Wenn sie schon das tun musste, was Wesker von ihr verlangte, dann sollte wenigstens einer vorgewarnt sein und ihre Geschichte wissen. “Vor einigen Jahren hab ich für eine Firma gearbeitet. Die Firma, die für den Raccoon Zwischenfall verantwortlich ist. Wir sind damals in die Stadt....” begann sie. “Was? Wieso erzählst du mir das?” verständnislos sah er sie an. Sie konnte seinen Blick nicht ertragen, wich ihm aus. “Lass mich erzählen. Wir sind damals in die Stadt rein. Der Anführer unserer Einheit war zu der Zeit mein bester Freund und engster Vertrauter. Er wurde angeschossen. Soviel ich erfahren habe, hat er dort sein Leben verloren. Ich weiss nichts genaures, weil ich dort erschossen wurde. Jemand hat mich dort rausgeholt und mit mir etwas gemacht. Ich war tot Jack. Durch irgendwelche Experimente lebe ich wieder. Aber ich bin nicht mehr ich. Ich hoffe du verstehst es irgendwann.” mehr wollte sie ihm nicht sagen und konnte es auch nicht. “Warum jetzt? Warum ich? Sag es mir Sam.” hörte sie ihn fragen. “Weil ich dich liebe Jack.” sie drehte sich zu ihm um. “Wie war das?” er schien mehr als verlegen. “Ich liebe dich. Sehr sogar.” sie ging zu ihm, legte eine Hand an seine Wange und küsste ihn sanft. Zögernd erwiderte er ihre Zärtlichkeit, legte die Arme um sie. Als er zudringlicher als nur dieser eine Kuss wurde, ließ sie es zu. Sie wollte ihn nah bei sich spüren, nur dieses eine Mal. Die Liebe zu ihm war zu stark, als das sie es leugnen hätte können.
“Verdammt! Was machen Leon und Jack hier?” fluchte sie leise in sich hinein. Aber für einen Rückzug war es inzwischen zu spät. Sie ging weiter auf Thomas zu, die 9mm in der Hand. Sie zitterte am ganzen Körper. Sie hatte schon die Verwandlung zugelassen. Winzige Tentakeln legten sich um ihren Körper, das spürte sie. Bis zum Hals ließ sie es zu, nicht weiter. “Na los ihr Zwei. Geht. Ihr müsst das nicht mitkriegen.” fluchte sie in sich hinein. Aber es war zu spät. Sie stand schon vor ihnen. “Thomas! Mit schönen Grüßen von einem alten Freund.” sie hob die Waffe und drückte ab. Mit einem Kopfschuss ging Thomas tot zu Boden. Es war vorbei. Leon und Jack zogen gleichzeitig ihre Waffen. “Los. Die Waffe weg. Zwingen sie mich nicht zu schießen. Jack, nimm ihr die Knarre ab.” Leon blickte zu seinem Freund. Der ging blass zu ihr. “Was soll...” weiter kam er nicht, denn sie schlug zu. Es tat ihr selbst mehr weh als ihm das zu tun. Sie spürte, das etwas nicht stimmte. Sie verlor die Kontrolle über ihre andere Seite. Ihr Körper ging in Flammen auf. Zum Glück stand Jack nicht mehr neben ihr, dachte sie. “Oh nein. Nicht schon wieder so was.” hörte sie Leon fluchen. Zwei oder drei Kugeln schlugen in ihre Brust, ohne Wirkung. Ihre Hand schoss plötzlich vor, Flammen schossen auf Leon zu. Mit aller Kraft schaffte es Samantha gerade noch, es zurückzuhalten. Es kostete sie alle Kraft und danach würde sie komplett die Kontrolle verlieren, das war ihr klar. “Schieß mir in den Nacken Leon. Los. Dann hat dieser Spuck endlich ein Ende. Los verdammt. Ich hab nicht viel Zeit. Bitte.” sie drehte sich um und betete das Leon verstand. Sie hatte nicht damit gerechnet aber nur einen Meter vor ihr stand Jack. “Es tut mir leid.” meinte sie leise und schloss die Augen als sie den erlösenden Schuss hörte. Heißer Schmerz erfüllte sie, sie schmeckte Blut und endlich erstickten die Flammen um sie herum. “Nein.” ,Jack fing sie ab, bevor sie zu Boden ging, “Tu mir das nicht an.” Sie sah die Tränen auf seinem Gesicht. Sie wollte etwas sagen, aber mehr allein Gurgeln brachte sie nicht zustande. Blut lief über ihre Lippen. Vorsichtig wischte sie ihm die Tränen aus dem Gesicht und merkte dabei selber gar nicht das auch sie weinte. Aber nicht vor Trauer. Es war Erleichterung. Die Welt wurde allmählich schwarz und sie spürte keinen Schmerz mehr. “Ich liebe Dich.” hörte sie Jack flüstern. Mit einem Lächeln schloss Sam für immer die Augen

 

End Part 1




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