Schlichte Blume

Das Vermächtnis der Vergessenen



Kapitel 1 – Blutsbande


Es war stockdunkel. Eine seltsame Begebenheit um diese Jahreszeit, auch wenn die Sonne schon vor Stunden unter gegangen war. Das kleine Dorf kannte es aber schon und hatte sich daran gewöhnt. Sie schoben die Schuld dem Geist der Verstorbenen zu, die vor zwei Jahren nahe des Ufer des Flusses ertrunken waren. Nacht für Nacht geisterten ihre vermoderten Körper durch die Straßen und verbreiteten Angst und Schrecken. Frauen und Kinder trauten sich schon einige Zeit nach Anbruch der Dunkelheit nicht mehr aus den Häusern. Nur die Männer gingen nach getaner Arbeit in das einzige Gasthaus nah des Dorfes und da die meisten eh erst zurückkehrten wenn die Sonne aufging, machte es für sie keinen großen Unterschied, obwohl manchen von ihnen doch arg mulmig zumute war, wenn sie daran dachten.

Das Fischerdorf lag nicht unweit der Hauptstadt Wyzima, einen Tagesritt entfernt. Und so trafen des Nachts einige seltsame Gestalten in dem Gasthaus ein, um zu raten, zu trinken und auch gelegentlich um ihren dunklen Geschäften nachzugehen. Ein alltägliches Bild, und niemand scherte sich mehr groß darum. Der Wirt Torsten hatte seine Einnahmen und stellte nicht groß Fragen, was seine Gästen machten solange sie zahlten und ihn nicht um die Zeche prellten. Abenteurer die mit Schwertern und Dolchen bewaffnet waren, waren keine Seltenheit, doch diese beiden, die in der Ecke des Wirtshauses saßen diesen Abend, waren mehr als eine Seltenheit. Noch niemand im Dorf hatte sie je gesehen.

Eine junge Frau saß dort vor einem Becher Wein. Das lange offene schwarze Haar fiel ihr über das feine Gesicht mit dem stechend grünen Augen. Sie trug eine schwarze, mit Runen verzierte Lederrüstung über die sie einen weinroten Umhang wärmend trug. Ihr gegenüber saß ein Elf. Das lange fast silbern anmutende Haar fiel ihm über die Schultern, verdeckte seine spitz zulaufenden Ohren, doch das typisch feine elfische Gesicht verriet seine offensichtliche Herkunft. Er trug die selbe schwarze Lederrüstung wie sie, nur einen ebenso schwarzen Umhang. Alle Blicke in dem Wirtshaus hafteten an dem ungleichen Paar, das sich kein Stück um die neugierigen Blicke scherten, sondern vielmehr ihre Probleme mit einem anderen Gast hatten, den die Dorfbewohner inzwischen ignorierten.

Diese verdammten Mutanten sollte man alle miteinander verbannen oder noch besser abmurksen!“ knurrte der Elf. Die junge Frau lächelte. Sie wusste ihr Begleiter hatte wieder einmal zu tief in den Weinkrug geschaut und war betrunken: „Elbryan, lass es und reiß dich zusammen. Ich will keinen Ärger. Morgen sind wir in Wyzima, da kannst du deine Wut dann raus lassen, aber bitte nicht hier.“ Sie sah zu dem Betreffenden hinüber, der an einem Tisch in einer dunklen Ecke saß und sich schon eine ganze Weile die nicht zu überhörenden Beleidigungen von ihm anhörte, ohne auch nur eine Miene zu verziehen. Ein Hexer, ein Söldner, der gegen eine „Gebühr“ alles übernatürliche tötete, was einem Dorf wie diesem Sorge bereiten könnte. Diese, zum Großteil Männer, wurden schon in ihrer Kindheit mit so genannten Mutagenen behandelt, die ihren Körper extrem Widerstandsfähig und Immun gegen Gifte und Krankheiten machte. Der Nebeneffekt dieser Behandlung allerdings war das weiße Haar und die gelben Augen mit den senkrechten Pupillen. Diesen hatte es noch mehr getroffen: Seine Haut war extrem hell fiel ihr auf und hob sich von seiner braunen Lederrüstung doch sehr hervor. Ihre Blicke trafen sich, hielten sich einen Moment. Er nickte ihr zu, ein kurzer Gruß, aber es reichte um Elbryan erneut zu reizen. „Was soll das Maryana?“ knurrte er, fasste sie hart an den Handgelenken. „Du tust mir weh. Beruhige dich endlich. Oder besser, geh zu unserem Lager und schlafe deinen Rausch aus.“ zischte sie. „Du...“ er bekam den Satz nicht zu Ende. Wie aus dem nichts stand er plötzlich hinter ihm, drückte ihm hart die Finger in die Schulter. „Hat man euch nicht beigebracht, wie man sich einer Dame gegenüber verhält Elf?“ der Hexer war unbemerkt zu ihnen herübergekommen und ergriff Partei für sie. Elbryan sprang auf, der Stuhl krachte zu Boden und seine Hand griff zum Schwert, das bisher unter seinem Umhang verborgen war. „Ich warne Dich! Noch ein Schritt weiter und ich verbrenne dir den Hintern, das du morgen früh auf dem Pferd deine wahre Freude haben wirst!“ eine Feuerkugel schwebte über Maryanas Hand, die noch immer ruhig auf ihrem Platz saß und zu ihm sah. „Aber ... „begann er. „Nichts aber. Schwinge deinen Hintern zu unserem Lager und schlafe endlich deinen Rausch aus.“ knurrte sie. Die Feuerkugel schwebte bedrohlich höher. Elfische Flüche ausstoßend steckte er das Schwert ein und ging, wenn auch schwankend, hinaus. Sie nahm den Zauber zurück und wandte sich dem Hexer zu: „Ich weiß nicht ob ich euch danken oder euch übers Knie legen soll, weil ihr euch in so etwas einmischt.“ Er lachte laut los: „Ein Frau, die mit einem Elf unterwegs ist und ein wirklich loses Mundwerk hat. Zwei seltene Umstände in diesen Tagen.“ Maryana ließ sich mitreißen und lachte ebenfalls. Die anderen Gäste sahen sie verständnislos an. „Setzt euch Hexer. Ich muss mich für meinen Begleiter entschuldigen. Er ist leider immer so, wenn ihm der Alkohol zu Kopf gestiegen ist.“ sie lehnte sich zurück, als er ihr Angebot an nahm und sich zu ihr setzte. „Das müsst ihr nicht. Ich bin solche Umstände gewöhnt und es ist nichts ungewöhnliches mehr für mich. Ich bin Geralt von Riva und wie schwer zu übersehen Hexer. Und ihr junges Fräulein? Was verschlägt euch mit einem Elfen an eurer Seite hierher?“ sein Blick musterte sie. Sie wusste um diese Spielchen. Er schätzte sie ein, versuchte herauszufinden, ob sie eine Kriegerin war oder nur eine Heuchlerin die dies vorgab zu sein. „Elbryan, mein Begleiter hat in Wyzima zu tun. Ich löse nur einen Schwur ein, den ich vor langer Zeit gab. Maryana Malderan mein Name, auch wenn er euch mit Sicherheit nichts sagt. Ich bin nicht so bekannt wie ihr Geralt von Riva. Von euch habe ich schon gehört, in vielen Dörfern durch die wir kamen.“ sie sah ihm offen ins Gesicht, verzog keine Miene. Ein kleines Ränkespiel, das er genau so gut beherrschte wie sie. „Ich hoffe, ihr habt nur Gutes gehört.“ er grinste sie frech an. „Das, Geralt, hört man selten über Hexer. Das musst du zugeben. Lass die Höflichkeiten alter Freund. Es ist schön dich wieder zu sehen.“ sie lächelte. Sie kannte Geralt schon seit Jahren, hatte es aber vor Elbryan nicht zugeben können, da er dann mit großer Wahrscheinlichkeit aus der Haut gefahren wäre, so betrunken wie er war. „Seit wann ist dieser Elf bei dir? Das letzte Mal als ich dich sah, warst du noch allein unterwegs.“ meinte er ruhig. „Ich fand ihn vor einigen Monaten schwer verletzt vor einer der Höhlen oben in den Bergen, kurz vor der Küste. Er und sein Bruder waren von jemanden angegriffen worden, von wem sagt er mir bis heute nicht. Sein Bruder starb, ich konnte nur ihn vor dem Tod bewahren. Seitdem weicht er mir nicht von der Seite. Er ist sonst eine herzensgute Seele, nur der Alkohol macht ihm zu dem, was du grad erlebt hast. Ich hoffe dein elfisch ist nicht mehr allzugut.“ errötend dachte sie an die Flüche. „Doch, ich hab jedes Wort verstanden und die Sache, die ein wenig unter die Gürtellinie ging fand ich sehr amüsant. So etwas hab ich noch von keinem Elf gehört.“ er sah sich um, als es hinter ihnen lauter wurde. Ein Tumult schien los zu brechen. Das Murmeln der anderen Gäste wurde lauter und der Gastwirt kam zu ihnen: „Ich denke, es ist besser wenn sie nun zahlen und gehen. Ich möchte nicht, das mein Wirtshaus in einem Schwerterkampf in Schutt und Asche gelegt wird.“ Geralt schüttelte den Kopf, stand auf und zahlte: „Lass uns gehen Mara.“

Elbryan schlief schon, als sie zum Lager kamen. Maryana hatte Geralt gebeten, die Nacht bei ihnen zu verbringen. Eine Bleibe im Dorf oder gar ihm Gasthaus hätte er sicher nicht mehr bekommen nach dem Vorfall. Sie schaute kurz in das Zelt von Elbryan und deckte ihn zu, als sie seinen eiskalten Arm berührte und er leise etwas vor sich hin murmelte. Geralt legte noch etwas Holz aufs Feuer, das dann wieder wohlig warm anfing zu knistern und setzte sich nah daran: „Wie lange haben wir uns nun schon nicht mehr gesehen?“ „Sehr lange. Ein oder zwei Jahre nun schon. Wo hast du dich so rumgetrieben?“ sie setzte sich neben ihn, wärmte ihre kalten Hände. „Überall. Wird schwer, sich zur Zeit sein Geld zu verdienen und der Winter ist nicht mehr weit. Ich weiss noch nicht, wo ich den Winter verbringen werde. Dieses Jahr ist es mehr als schwer. Ich habe einige gute Freunde verloren, na gut, eher kann ich mich in ihren Dörfern und Städten nicht mehr sehen lassen. Führst du noch immer dein Vagabunden Dasein oder hast du dich inzwischen irgendwo niedergelassen?“ er sah ins Feuer. Sie sah den Schmerz und die Enttäuschung in seinem Blick. „Elbryan hat eine Bleibe im Elfenhain und hat mir angeboten, das ich bei ihm bleiben kann solange ich will. Ich bin in Versuchung sein Angebot anzunehmen. Ich spreche mit ihm, Vielleicht lässt er dich auch bleiben und wenn es nur über den Winter ist. Du musst irgendwo bleiben. Bei der Kälte erfrierst du draußen, auch wenn du die Mutagene in dir hast und der Winter ist nur noch 1 oder 2 Monate weit entfernt.“ sie gähnte. Sie hatte einen langen Tag hinter sich und wollte eigentlich schlafen. „Du bist müde und erschöpft Mara. Lass uns morgen reden.“ lächelte er. Mara, so nannte nur er sie und das schon seit sie sich kannten. „In Ordnung. Nimm mein Zelt, ich bleibe heute Nacht bei Elbryan.“ sie stand auf. „Musst du nicht, ich kann auch hier am Feuer bleiben.“ er sah zu ihr auf. Längst hatte sie die Müdigkeit in ihm bemerkt. „Lass mich dir einmal etwas Gutes tun. Du bist müde. Ruh dich aus. Mir macht das nichts aus. Ich habe so manche Nacht mit ihm verbracht, als er vor Schmerzen kaum geschlafen hat. Nicht das was du schon wieder denkst. Ja, ich kenne dich mein Lieber. Du bist und bleibst ein Schürzenjäger, wie er im Buche steht. Ein Glück steh ich nicht auf deiner Beuteliste.“ sie lachte. „Gut, gut. Du hast mich überredet. Aber du und ich? Nein, wir sind Freunde und mehr werde ich gar nicht zulassen. Gute Nacht Kleines.“ er wandte den Blick ab und sie wusste, er würde erst meditieren, bevor er sich schlafen legte.

Elbryan wachte auf, als sie unter seine Decke kam. Verschlafen sah er sie an, sagte aber nichts. „Schon gut, schlaf weiter. Du hast ja eiskalte Haut.“ sanft zog sie ihn in ihre Arme, wärmte seinen zitternden Körper mit dem ihrem. Er drängte sich an sie, nahm sie in sein Arme. Sein vertrauter Geruch nach Weidengras, seine Nähe verpasste ihr wieder einmal Herzklopfen. „Wie schlimm war es?“ flüsterte er, riss sie aus den Gedanken. „Hast dich nicht mehr daneben benommen als sonst. Halt dich demnächst etwas zurück. Du verträgst nichts und das weißt du doch auch.“ sie strich ihm ein paar Haarsträhnen aus dem Gesicht. „Ich weiss. Du hast ihn mitgebracht, ich hab euch gehört. Ihr beide seit alte Freunde? Ich hoffe, ich habe einen nicht zu schlechten Eindruck hinterlassen.“ er wurde verlegen. „Ich wollte dir das nicht ins Gesicht sagen, besonders nicht nach dem, was geschehen ist und wenn du betrunken bist.“ sie sah ihm einfach nur in die Augen. „Du hat vollkommen recht. Verzeih mir. Manchmal bin ich einfach nur ein Idiot.“ er strich ihr sanft durchs Haar, lehnte den Kopf an ihre Schulter, dicht bei ihrem Hals. Bevor sie ihm etwas antworten konnte, spürte sie, wie er ihren Hals küsste und seine Hände begannen, sie zu streicheln. Im ersten Moment wehrte sie sich, doch als wohlige Schauer sie durchfuhren und ein leises stöhnen über ihre Lippen kam, brach jeglicher Widerstand in ihr und sie erwiderte seine Zärtlichkeiten. Erst als sie seine Hand an ihrer Hose spürte hielt sie diese einen Moment fest: „Bist du sicher, das du das willst? Nicht, das wir morgen bereuen und uns nicht mehr in die Augen schauen können.“ „Das bin ich mir, ganz sicher.“ er zog sie wieder an sich, stemmte sich liebevoll über sie und drängte sich sanft zwischen ihre Beine. Sie schloss die Augen und ergab sich in seine Hände.

Als sie erwachte, lag sie auf seine Schulter gelehnt, nur in seinen Umhang gehüllt und unter der warmen Decke. Sie fühlte mit der Hand nach der warmen Nässe zwischen ihren Beinen. Noch immer verstand sie nicht, warum sie so schnell sich ihm ergeben hatte. Bis vor wenigen Minuten waren sie Freunde gewesen, nicht mehr und nicht weniger. Und nun? Ein seltsames Gefühl war es für sie ihn nun mit anderen Augen zu sehen. Lächelnd schaute sie ihn an. Plötzlich zuckte sie zusammen. Sie hatte etwas gehört, draußen vor dem Zelt. Das vertraute Geräusch eines Schwertes, das aus der Scheide gezogen wurde, leise Schritte. Schnell zog sie sich Hose und das Hemd über, die in ihrer Nähe lagen. Elbryan erwachte ebenfalls durch die Geräusche. Seine Hand zog seine Hose zu sich und deutete ihr an, still zu sein. Sie nickte stumm, nahm ihr Schwert und wollte aus dem Zelt schleichen.

Hart packte sie jemand im Haar, riss ihr den Kopf in den Nacken und zwang sie so in die Knie. Vor Schreck schrie sie auf, ließ ihr Schwert nach oben fahren. Wer immer der Angreifer war, er war ein geübter Krieger und wich ihrem Stoß aus, was nur wenige sonst getan hätten und entriss ihr ihre Waffe. Es war noch dunkel und die Gestalt war in Schwarz gekleidet und das Gesicht war hinter einem schwarzen Tuch verborgen und er hatte eine schwarze Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Nur eisblaue Augen sahen sie so intensiv an, das sie wegschaute. Geralt lag nicht weit von ihr entfernt regungslos am Boden, die Hände auf dem Rücken gebunden und mit Blut im Gesicht. Es waren vier, alle in der selben Kleidung und ebenso gleich maskiert. „Wo ist er?“ wurde sie angeknurrt. „Fahr zur Hölle.“ gab sie zurück und kassierte dafür einen harten Schlag ins Gesicht. Ihr Lippe platzte auf, Blut lief ihr übers Kinn. „Ich wiederhole mich nicht gern. Sprich wenn dir dein Leben lieb ist.“ seine Stimme kam ihr seltsam vertraut vor. „Lasst sie in Ruhe. Wenn ihr ihr auch nur ein Haar krümmt, müsst ihr mich schon gewaltsam mitnehmen. Lass sie los.“ Elbryan kam heraus, die Hände von sich gestreckt und ließ das Schwert fallen. „Ein so trostlosen Anblick hatte ich nicht erwartet. Ich hatte mit mehr Kampfeswillen von dir erwartet.“er ließ sie los. Geschickt rollte sie sich ab und wollte ihr Schwert packen. „Nicht, Maryana. Mach es nicht schlimmer als es schon ist.“ meinte Elbryan nur, hielt sie zurück indem er den Arm um sie legte. „Was ist hier los?“ fragte sie leise. „Verhalt dich jetzt ruhig, keine Spitzfindigkeiten, keine dumme Sprüchen und keine Waffen, dann überlebst du das hier.“ er sah sie intensiv an, ließ sie los. „Du machst mir Angst.“ flüsterte sie. Er lächelte seltsam traurig, ging ihr mit der Hand durchs Haar: „Das musst du nicht.“ Er ging mit erhobenen Händen zu dem Maskierten. „Wie rührend. Wie lange hast du das einstudiert Elbryan. Meinst du wirklich du kannst damit dein jämmerliches Leben verlängern elender Verräter?“ er deutete seinen Leuten mit einem Kopfnicken etwas an, das Maryana nicht verstand. Dann ging alles plötzlich alles unheimlich schnell, zu schnell als das sie begriff was passierte. Geralt kam zu sich und trat dem Angreifer neben sich kräftig in die Kniekehlen, so kräftig das er vor Schmerz aufjaulend auf den Boden ging. Elbryan riss einen Dolch aus dem Stiefel und stieß ihn dem Maskierten in die Brust, der gurgelnd und Blut spuckend zu Boden sank. Die anderen Beiden zogen ihre Schwerter und sahen verwirrt auf ihn und Maryana, die nun beide ihre Schwerter in der Hand hielten. „Will noch jemand sterben?“ schrie Elbryan. Die letzten Beiden verschwanden und nur ein: „Wir sehen uns wieder!“ war zu hören. Maryana ging zu Geralt, schnitt seine Fesseln durch und schaute auf den, noch immer am Boden liegenden und wimmernden Angreifer, der sich das Knie hielt. „Was haste mit ihm angestellt?“ fragte sie Geralt. „Sagen wir so, wenn er morgen wieder laufen könnte würde es mich wundern. Sein Bein ist gebrochen und sein Knie ziemlich hinüber.“ er grinste fies. Sie half ihm auf: „Bist du okay?“ Sie schaute nach seiner Kopfverletzung. „Ich bin in Ordnung. Hör auf dir Sorgen zu machen. Was ist mit Elbryan? Was war grad los? Die kamen aus dem Nichts. Wie wäre es mal mit Antworten. Das waren Elfen dem Körperbau nach zu urteilen und wie schnell Knochen brechen.“ Geralt packte den verletzten Angreifer und legte ihn auf sein Lager, wo er ihm die Kapuze vom Kopf zog und das Tuch vom Gesicht zog. Zum Vorschein kam ein junger Elf mit langem wirrem schwarzen Haar und Panik in den hellblauen Augen. Noch immer wimmerte er vor Schmerz. „Hol bitte Elbryan her. Er steht noch immer am Zelt und sieht übern Fluss.“ Maryana hatte Mitleid mit dem Verletzten, kniete sich neben ihn, nachdem sie Geralt darum gebeten hatte. „Ruhig, ganz ruhig. Du hast ihn gehört, das Bein ist hin für eine Weile, also fang nicht an Dummheiten zu machen während ich hier sitze, klar? Das wird wehtun.“ sie packte sein Bein, richtete den gebrochenen Knochen indem sie ihn wieder in die richtige Postion drückte. Kurz schrie er vor Schmerz auf und blieb dann schwer atmend auf dem Lager liegen. Vorsichtig legte sie eine Decke so um das Bein, das es ihm etwas Erleichterung verschaffte. „Ich werde den Mistkerl kaltmachen, ich .... Du? Warum Altiere? Warum?“ Elbryan, der vor einer Sekunde noch vor Wut schäumte und sein Schwert fest umklammert hielt, blieb wie angewurzelt stehen, als er erkannte wer da lag. Eine eiskalte Hand legte sich um sein Herz. „Wer ist das Elbryan? Du bist totenblass.“ Maryana sah ihn verstört an. Sie verstand überhaupt nichts mehr. „Einer meiner engsten Vertrauten die ich jemals hatte. Er weiss mehr über mich als irgendjemand sonst, selbst als du.“ der Hass in seinen Augen war unheimlich. „Du warst es der den Schwur gebrochen hat, nicht ich. Aber was spielt das jetzt noch für eine Rolle. Sie werden zurückkommen und dann bin ich der erste der sterben wird, weil ich versagt habe und dann der Rest deiner Leute.“ seine Stimme war leise. Er hatte kaum noch genug Kraft um bei Bewusstsein zu bleiben, das sah sie. „Damit das klar ist, ich gehöre zu niemanden. Seit froh, das ihr mich mitten in meiner Meditation gestört habt, sonst wärt ihr alle tot gewesen..“ Geralt, der sich bisher zurückgehalten hatte, mischte sich ein. Altiere sah auf und erstarrte, als er erkannte wer Geralt eigentlich war: „ Ein Hexer? Wenn ich das ... Verdammt!“ Er verzog das Gesicht vor Schmerzen, als er seine Lage ändern wollte. „Hey, ruhe dich aus. Du wirst deine Kraft noch brauchen. Elbryan, zieh dich an und pack unsere Sachen zusammen. Wir verschwinden von hier. Ich weiss zwar nicht, was hier grad abläuft, aber es wird mir zu gefährlich hier zu bleiben. Altiere, du kommst mit uns. Geralt, ich will dich nicht in irgendwas hineinziehen, was deinen eh schlechten Ruf noch schlechter macht.“ koordinierte sie. „Meinen Ruf? Maryana, du solltest mich besser kennen, das ich auf meinen Ruf keinen Wert lege. Ich komme mit euch.“, kurz lächelte er, dann riss er sie plötzlich zu Boden, „Runter, alle!“ Ein Pfeil schoss durch die Dunkelheit, eine leise und doch tödliche Waffe. Elbryan reagierte zu spät. Der Pfeil bohrte sich unbarmherzig in seine Brust. Mit ungläubigen Blick sank er auf die Knie. „Elbryan!“ Maryanas Schrei hätte selbst einen Untoten zu neuem Leben verholfen. Geralt hielt sie zu Boden gedrückt, selbst als sie zu ihm wollte und sich mit aller Kraft gegen ihn werte: „Ich weiss, es schmerzt. Aber du hilfst ihm nicht, indem du in den Pfeilregen reinrennst. Beruhige dich bitte. Mara, ruhig.“ Ein ganzer Pfeilhagel ging auf sie nieder. Ein Pfeil streifte seine Wange, hinterließ eine hässliche tiefe Wunde. Sein Blut tropfte auf ihr Gesicht. Nach wenigen Sekunden war allerdings alles vorbei. „Ich habe dich gewarnt Elbryan. Ein Blutschwur der gebrochen wird, hat Folgen.“ hörte man nur entfernt eine Stimme.

Jede Hilfe kam für ihn zu spät. Der Elf lag im sterben. Der Pfeil hatte seine Lunge durchschlagen und er erstickte langsam und qualvoll. Geralt, der schon soviel Tod gesehen hatte und auch selber so viele Leben genommen hatte, nahm es doch ein wenig mit, als er sah wie sehr Maryana litt. Altiere wusste nicht wirklich, was er sagen sollte. Die ganze Situation war so unwirklich für ihn. Vor wenigen Stunden war er es noch, der die drei töten sollte, doch nun hatten sie sein Leben geschont und trotzdem starb jemand. „Maryana, verzeih mir.“ Elbryan sah sie an, Blut lief über seine Lippen, seine Stimme war kaum mehr als ein flüstern. „Hör auf, stirb mir einfach jetzt nicht weg. Bitte.“ sie hielt seine Hand. „Ich würde ja gerne bei dir bleiben, aber ich weiss, das es aus mit mir ist. Geralt, ich hab unser ersten Treffen gut vermasselt. Versprich mir einfach, das du auf sie aufpasst. Sie ist ein so wundervoller Mensch.“ ein Lächeln huschte über sein Gesicht. „Ich verspreche es.“ sagte er ernst. „Tut bitte Altiere nichts an. Er kann nichts dafür. Lass dich von ihm führen Maryana. Er kennt die Wahrheit und er wird sie dir zeigen. Sein Schwur bindet ihn daran. Der Blutschwur, der uns alle bindet an das Vermächtnis der Vergessenen. Findet es und befreit es, damit meine Seele ruhe findet.“ flüsterte er. Sein Atem ging stockend, sein Herz schlug immer langsamer. Sie weinte, still um ihm keine Sorge zu bereiten in seine letzten Sekunden: „Ich schwöre es dir.“ „Danke, für alles meine Liebste. Wir sehen uns auf der anderen Seite wieder.“ mit einem Lächeln schloss er die Augen, während sich seine Brust zum letzten Atemzug senkte.

Seit einigen Stunden saßen sie am Lagerfeuer. „Wovon sprach er?“ Geralt brach das schweigen. „Vom einem alten elfischen Blutsbund. Eine Legende. Ich wusste nicht, das es sie gibt. Wächter eines Vermächtnisses, die etwas schützen das den Lauf der Geschichte ändern könnte. Eine Macht, so groß, das die Ältesten, angesehenen Druiden, es in einer Höhle, tief unter der Erde einschlossen. Niemand weiss was es ist oder gar wo es ist. Seit die Menschen in das Land der Elfen kamen und sie zurück in die Berge drängten versucht dieser Blutbund das Geheimnis zu entschlüsseln, doch niemand von ihnen war in der Lage das Schloss zu öffnen und so gaben sie es nach kurzer Zeit auf. So die Legende. Wie es aussieht, haben sie es doch nie aufgegeben.“ erzählte sie. „Was hast du nun vor?“ er sah sie an. „Welche Mondphase haben wir?“ fiel ihr plötzlich ein. Ihr wurde anders, ein plötzlicher Schimmer des Wissens durchfuhr sie. „Wir haben Vollmond, warum fragst du?“ er sah sie fragend an. „Ich weiss worum es geht. Altiere, wir haben einen langen Weg vor uns. Also gewöhn dich an mich.“ sie lächelte traurig. Ihre Gedanken waren bei Elbryan, der ihr mehr hinterlassen hatte als sie geahnt hatte.


Kapitel 2 - Gewissensfragen


Erneut fuhr er mit einem Schrei aus dem Schlaf hoch. Jede Nacht das selbe, jede Nacht seit 2 Monaten nun schon dieser Traum, der ihn immer wieder aus dem Schlaf riss. Der kalte Wind, der durchs Fenster kam und den Schweiß auf seiner Brust trocknete, beruhigte ihn etwas. Nicht weit von ihm in ihrem Bett schlief Maryana ruhig. Ihr ruhiger Atem war zu hören in der Stille. Er wollte leise aufstehen und das Fenster schließen. Ein kurzer Schmerz fuhr durch sein Bein, eine Tatsache, die er inzwischen stoisch hinnahm. Er würde nie wieder ohne Probleme laufen können nach allem was passiert war. Er blieb einen Moment auf der Bettkante sitzen und rieb sein schmerzendes Knie. Einen Monat lang hatte er nicht laufen können und wahrscheinlich wäre er schon vorher des Todes gewesen, wenn Maryana ein solches Herz gehabt hätte. Rührend hatte sie sich um ihn gekümmert und noch immer hatte er ein schlechtes Gewissen deshalb. Vor ein paar Tagen war Geralt von Riva, der Hexer erneut zu ihnen gestoßen, nachdem ihm Maryana einen Brief geschickt hatte durch einen Boten, der wusste wo er sich aufhielt. Ein Hexer hatte keine Heimat, nur Orte an denen er sich oft Aufhielt. Maryana hatte ihm vom Kloster der Menethil erzählt. Er verstand die Menschen in diesen Dingen überhaupt nicht. Schon vor langer Zeit hatte er den Glauben an irgendwelche Gottheiten aufgegeben. Wenn es sie gab, warum hatten sie zugelassen das er und sein Volk seine Heimat und so viele von ihren Leuten verloren hatten? Eine Frage die ihn schon ewig quälte. Er zog sich vorsichtig auf die Beine und ging langsam zum Fenster. Statt es zu schließen sah er hinaus. Der Vollmond stand hoch am sternenklaren Himmel. Nicht eine Wolke war zu sehen. Die Luft war klar und frisch hier an der Küste. Er sah Geralt, der am Steg saß, das silberne Schwert prüfend in den Händen. Als wenn der Hexer den Blick auf sich spürte sah er hoch zu ihm und nickte zum Gruß. Inzwischen hatte er dem Elfen vergeben und behandelte ihn mit mehr Respekt, als er nach seiner eigenen Meinung verdient hatte. Mehrfach waren sie auf seine ehemaligen Kameraden gestoßen, er und Maryana. Es schmerzte ihn noch immer, wenn er sie töten musste. Oft schaute er des Nachts noch stundenlang auf das getrocknete Blut auf seiner Schwertklinge. „Kannst du mal wieder nicht schlafen?“ Maryana stand hinter ihm und legte ihm eine Decke über die Schultern. Seufzend sah er weiterhin hinaus: „Das ist doch inzwischen ein Dauerzustand. Ich hab mich damit abgefunden nur wenige Stunden zu schlafen.“ „Ich weiss, aber es tut dir nicht gut, soviel zu grübeln. Bereust du? Bereust du das du noch lebst? Wärst du lieber in der Nacht gestorben?“ fragte sie direkt heraus. Altiere schluckte schwer. Er fürchtete selbst die Antwort. „Ich weiss es nicht. Einerseits bin ich froh, das ich noch lebe, aber auf der anderen Seite, ... „er schwieg, wollte es nicht aussprechen. Er wäre bereit gewesen, sein Leben zu geben. Vor zwei Monaten war sein Leben nichts wert gewesen, nicht einen Oren. Aber jetzt, an ihrer Seite, hatte er soviel gesehen und erlebt, soviele Menschen erlebt, die völlig anders waren als er immer dachte. Sie hatten ihm geholfen gesund zu werden, obwohl sie doch genau sahen, das er ein Elf war. Unbewusst kaute er verlegen auf seiner Unterlippe. „Schon gut, behalte es für dich.“ sie nahm ihn in ihre Arme. Es war das erste Mal das sie das tat. Unbeholfen stand er einfach da, unfähig etwas zu erwidern. Tränen der Scham und der Dankbarkeit brannten in seiner Kehle. Zögernd legte er die Arme um sie: „Verzeih mir. Ich,... Was da mit Elbryan passiert ist,....“ Stotternd fielen ihm die richtigen Worte nicht ein. „Hör auf. Was passiert ist, ist passiert. Man kann es nicht ändern, nicht jetzt, nicht damals und auch in Zukunft nicht.“ flüsterte sie, strich ihm sanft übers Haar. „Du sprichst so als wenn es dir inzwischen völlig egal wäre, was geschehen ist.“ er hätte sie von sich stoßen sollen, sein Hirn schrie förmlich danach, während sein Herz anders leise flüsterte. Solange hatte er nur auf das gehört, was sein Verstand ihm sagte. Es fiel ihm noch immer schwer auf sein Herz zu hören. Doch ihre sanfte Berührungen kamen ihm vor, wie ein Schlag ins Gesicht, bereiteten seiner Seele unbekannte Qualen. „Es ist falsch!“ hämmerte es in ihm. Auf der anderen Seite flehte sein geschundenes Herz nach ein wenig Zuneigung und Liebe. Solange hatte er Entbehrungen hinnehmen müssen. Ein völliges Gefühlschaos breitete sich in aus und schlussendlich konnte er die Tränen nicht mehr länger zurückdrängen. Wie eine Erlösung rannen sie über seine Wangen, ließen sein feines Gesicht noch zerbrechlicher wirken als es ohnehin schon den Anschein hatte. Er presste Maryana an sich in der Hoffnung seine Tränen verbergen zu können vor ihr, doch sie spürte seinen bebenden Körper, die unterdrückten Schluchzer, die ihn zittern ließen und die feuchte Schulter die seine Tränen hinterließen. Sie sagte nichts, hielt ihn einfach in den Armen und versuchte wenigsten ein kleiner Halt in seiner Verzweiflung zu sein.

Schnell beruhigte er sich, sah sie mit feuchten Augen an. Ohne etwas zu erwidern führte sie ihn zu ihrem Bett, zwang ihn liebevoll aber bestimmt sich hinzulegen und blieb an seiner Seite sitzen. Sie hielt seine Hand und strich ihm mit der freien sanft durchs Haar. Er wollte etwas sagen, doch sie legte ihm die Finger auf die Lippen und schüttelte lächelnd den Kopf. Zu spät bemerke er die leise gesprochenen elfischen Wörter, ein Zauber der ihn einschlafen ließ. Ihm fielen die Augen zu und er ergab sich seiner Müdigkeit. Vorsichtig deckte sie ihn zu, nahm ihren Umhang und ging hinaus.

Schläft er endlich?“ Geralt wusste das sie hinter ihm stand, auch ohne das er sich umdrehen musste. Eine angenehme Eigenschaft eines Hexers die ihm aber auch schnell zum Verhängnis werden konnte. „Ich habe ihn sanft überreden müssen.“ grinste sie, setzte sich neben ihn. Er lachte, weil er genau wusste worauf sie da anspielte: „Du hast einen Zauber verwendet. Nicht das der Ärmste bis nächste Woche durchschläft. Dieser kleine Fehler ist dir schon mal passiert, bei mir.“ „Das war nur die Rache dafür, das du mir in dieser Nacht an die Wäsche wolltest mein Lieber.“ feixte sie, gab ihm einen kleinen Klaps an die Schulter. „Ich bin auch nur ein Mann holde Maid und das Kleid, das ihr an diesem Abend trugt, ließ den Blick sehr tief schweifen.“ er provozierte sie mit Absicht. „Übertreibe nicht Geralt. Sonst kannst du die Nacht als Schaf im Stall verbringen.“ sie lachte. Es war die Art wie die beiden miteinander umgingen. Sie waren vertraut, kannten sich nun schon eine halbe Ewigkeit. Sie war eine der letzten, die ihre Freundschaft mit ihm hielten. Sie war immer seine letzte Zuflucht, wenn seine Situation zu brenzlig wurde und er eine Weile verschwinden musste, auch jetzt nach Elbryans Tod. Der Winter hielt Einzug und sie war mit Altiere auf dem Weg zu ihren Winterquartier als er zu ihnen stieß. Sie hatte ihn darum gebeten, das er mit ihnen kam. Ihre Nachricht kam völlig überraschend für ihn. Eigentlich hatte er im Kloster bleiben wollen, aber hatte dann doch mit einem seltsamen Gefühl in der Brust sich auf den Weg zu ihr gemacht. „Wie stellt er sich an? Kommt man inzwischen mit ihm klar oder tanzt er noch immer aus der Reihe?“ fragte er. „Eigentlich ist er ein herzensguter Elf, aber immer wieder bricht diese Verzweiflung und diese Schuld in ihm durch und er igelt sich ein, lässt mich nicht an sich heran. Das sind dann Tage, an denen er mich an den Rand der Verzweiflung treibt. Und ein paar Tage später klebt er an mir, fleht geradezu unnötig um Vergebung und ist völlig aufgelöst und nach wenigen Stunden benimmt er sich normal. Er kommt mit der ganzen Situation nicht klar. Ich weiss nicht Geralt, ich werde ihn wahrscheinlich im Hain zurücklassen im Frühjahr, wenn ich meine Reise fortsetze. Es ist besser für ihn, wenn er wieder ein normales Leben kennenlernt.“ sie dachte laut. „Davon bin ich nicht überzeugt. Er braucht dich Mara, du bist sein letzter Halt in dieser Welt. Stoß ihn nicht weg. Das wäre sein Tod. Lass ihn zurück und die anderen werden sein Licht auslöschen. Verstehst du? Er ist ein Mörder, sie werden das nicht dulden. Er kann Elbryan nicht ersetzen, das weiss ich, aber lass den Jungen jetzt nicht allein.“ meinte er ruhig. „Lass mir etwas Zeit, ich weiss es noch nicht. Ich hab ihn gern, aber er macht mir nicht gerade leicht. Ich hab es Elbryan versprochen, aber ich weiss nicht wie ich es halten soll.“ zwiegespalten wusste sie noch nicht so wirklich wie sie die ganze Sache sehen sollte. Einerseits ihr Versprechen gegenüber ihrer sterbenden Liebe und andererseits Altiere, der ihr schlaflose Nächte bereitete. „Lass uns den Winter abwarten und dann entscheiden wir, ich lasse dich nicht allein losziehen.“ wissend sah er sie an. „Ich hab geahnt, das man dir nichts vorenthalten kann mein Lieber.“ lachte sie. Er hatte es tatsächlich mal wieder herausgefunden. Geralt etwas vorzumachen war ungefähr so als wenn man versuchte einer Henne ihr Ei als Birne zu verkaufen. Sie nahm ihm sein Silberschwert aus der Hand, drehte die feine Klinge andächtig in ihrer Hand. Jedem Anderen hätte er schon längst dafür zu Boden geschickt, aber bei Maryana war er sich sicher, das seine Klinge sicher war. „Allmählich sieht man ein paar Spuren deiner Taten. Hast ja ein paar nette Kratzer reingehauen.“ sie hielt das Schwert ins helle Mondlicht. „Ich weiss, bleibt leider nicht aus bei jemanden wie mir.“ er setzte sich neben sie. „Fängt das schon wieder an. Was da geschah, war nicht deine Schuld und wird es nie sein. Du hast das getan, was getan werden musste. Es gab keine andere Lösung.“ sie sah ins Sternenzelt. „Ich weiss.“, seufzte er, „Aber gelegentlich zerrt es noch an mir.“ „Du bist nicht wie die anderen Hexer Geralt und das weisst du inzwischen auch. Hör auf an dir zu zweifeln. Dein Gedächtnis ist wieder da und das ist das wichtigste, was du getan hast oder sagtest, spielt jetzt keine Rolle mehr. Hier.“ sie gab ihm sein Schwert wieder. „Du hörst dich an wie die Schwestern im Kloster. Bist du sicher, das du nicht zu ihnen gehörst?“ neckte er sie. Sie lachte laut auf: „Na warte.“ ein leichter Stoß und er fiel rücklings ins Wasser, nicht ohne sie mit sich zu ziehen. Prustend schwamm sie wieder an die Oberfläche. Das Wasser war eiskalt, weckte ihre Sinne aus dem Halbschlaf. Das klatschnasse Haar hing ihr wirr im Gesicht. Geralt kam hinter ihr wieder an die Oberfläche. Die Bucht war nicht tief und so wunderte sie sich doch etwas das er so lange gebraucht hatte. „Warn mich das nächste Mal das ich meine Waffen abnehmen kann, ist doch einiges an Gewicht.“ knurrte er, auch wenn nicht allzu ernst gemeint. „Och, muss du nun wieder meckern?“ grinste sie frech. „Wir sollten ein wenig schlafen Mara, der Sonnenaufgang ist nicht mehr weit.“ er zog sich aus dem Wasser und reichte ihr die Hand ihr zu helfen ihm zu folgen. Zähneklappernd hievte sie sich auf den Steg. „Dickköpfiges Wesen.“ neckte er sie. „Ich weiss. Ruh du dich auch aus Geralt, du schaust nicht sonderlich gesund aus.“ meinte sie. „Ich weiss, aber darüber lass uns heute nicht mehr sprechen, okay?“ bittend schaute er ihr in die Augen. „Gut, gute Nacht alter Freund.“ sie ging wieder.

Er war erleichtert, das sie nicht mehr da war. Länger hätte er den Schmerz nicht mehr vor ihr verbergen können. Die tiefe Wunde in seiner Schulter brannte wie Feuer vom kalten Seewasser. Sie wusste davon nichts, und das war auch mehr als gut so. Wenn er ihr erklärt hätte, was passiert war, hätte sie ihn für verrückt erklärt, da war er sich sicher. Ob er die ganze Sache über den Winter hinweg vor ihr verbergen konnte, war eine andere Sache, aber darüber konnte er sich dann Gedanken machen, wenn es soweit war. Der Auftrag war mehr als gefährlich gewesen und wenn er sich dabei verletzen würde, würde sein Hexerkörper im rein gar nichts nützen, das hatte er gewusst, auch wenn er sich schneller regenerierte als gewöhnliche Menschen. Dryaden waren teuflische Gegner und diese hatte ihn erwischt. Wenn er das Geld nicht so dringend gebraucht hätte, wäre es der erste Auftrag gewesen, den er abgelehnt hätte. Gewöhnliche Menschen ... er dachte an Mara. Sie hatte etwas besseres verdient als das, was sie nun durchlebte. Nach so vielen Jahren war sie ihm ans Herz gewachsen. Vielleicht etwas zu sehr wie er sich selbst rügte. Aber um es zu bereuen was es schon lange zu spät. Sie imponierte ihm, auf ihre eigene Art und Weise. Eine harte Kriegerin die selbst noch dann stand, wenn andere schon lange gefallen waren. Einmal hatte er es miterlebt und gesehen, wie ihre Klinge sich durch eine Reihe Gegner schnitt als hätte sie ihr Leben lang nichts anderes getan. Elfen hatten es schwer in diesen tagen und sie würde davon genug erfahren haben, wenn sie bei ihnen aufgewachsen war. Der Groll gegen die Menschen war ihnen ins Herz gebrannt. Auf eine Art verständlich aber auf der anderen billigte er ihre Methoden nicht, und doch sagte er sich immer wieder das ihn das alles eh nichts anginge. Seufzend streckte er seine schmerzende Schulter und wandte sich wieder seinem Schwert zu.

Am Morgen war der Himmel ein grau in grau und es regnete stark. Sie hatten früh ihre Sachen gepackt und waren weitergeritten. Geralt hatte geahnt, das ihnen das Wetter alles andere als gediegen war. Die Wegesränder hatten sich in eine Schlammkuhle verwandelt und jeder falsche Schritt des Pferdes konnte schmerzhaft enden. Maryana und auch Geralt waren geübte Reiter dann schon lange Tagesritte und Ritte quer durchs Land hinter sich hatten, was man aber scheinbar von Altiere nicht erwarten konnte. Schmunzelnd sahen die beiden das der Elf doch ziemlich zu kämpfen hatte, nicht die Kontrolle über das eigentlich sehr ruhige Tier zu verlieren. Ein amüsierender Anblick, auch wenn sich Maryana doch Sorgen machte. Geralt zog die Karte aus seiner Satteltasche und gab sie ihr: „Hier beginnt das Gebiet der Elfen. Ich war so selten hier, das ich mich nicht wirklich auskenne. Das letzte Mal hab ich ihn mit 3 gebrochenen Rippen und und einem angebrochenen Arm verlassen.“ „Das du auch keine Manieren hast und bei denen so unangemeldet rein platzt.“ sie grinste ihn an, während sie die Karte nahm. Geralt sagte nichts, schüttelte nur lachend den Kopf. Altiere lachte auch, nach langer Zeit wieder das erste mal aus vollem Herzen. „Wir müssen weiter Richtung Westen. Allzuweit dürfte es aber nicht mehr sein.“ sie faltete die Karte sorgsam zusammen und gab sie ihm wieder. Die nahegelegene Bergkette und die Wälder dahinter kamen ihr mehr als bekannt vor, vertraut und gaben ihr ein Gefühl von zu Hause. „Bist du dir sicher das du mich mitnehmen willst Mara? Ich hab so das ungute Gefühl das das nicht gut gehen wird.“ Geralt sah sie unsicher an. „Ich habe schon entschieden Geralt.“ war alles was sie sagte, bevor sie ihr Pferd vom Weg in den Wald derigierte.



Kapitel 3 - Schmerz


Der Winter war härter als man erwartet hatte. Seit langer Zeit lag wieder einmal Schnee und dezimierte die ohnehin schon knappen Vorräte des Elfenvolkes. Maryana wurde mehrfach gebeten Vorräte aus den umliegenden Dörfern zu besorgen, weil die Kinder hungerten. Die Männer wollten immer wieder irgendwelche Transporte überfallen und wenn Geralt sie nicht zurückgehalten hätte, wäre es auch passiert. Nachdem man die Elfen in die hintersten Ländereien zurückgedrängt hatte, ihren Lebensraum für die Menschheit beansprucht hatte, hatten sie kaum noch Möglichkeiten in Einklang mit der Natur zu leben. Bäume wurden gefällt, ihre Heime eingerissen und trotz ihrer Niederlage wurden sie immer wieder von den Menschen angegriffen, beschimpft und wie Dreck behandelt. Sie konnten in dem harten Boden, den sie nun hatten, keine Lebensmittel anbauen die sie kannten. Maryana tat es in der Seele weh, das sie die Elfen so leiden sehen musste. Auch Altiere hatte zu kämpfen. Keiner des Dorfes beachtete ihn. Er wurde als Verräter angesehen und dementsprechend auch behandelt. Da ohnehin schon die Aggressionen recht hoch waren, bekam er die Wut deutlich zu spüren. Hin und wieder traf ihn eine Faust. Ein blaues Auge oder eine blutende Nase oder Lippe hatte er fast durch gehend, bis er einfach nicht mehr das Heim der drei verließ. Immer weiter zog er sich in sich selbst zurück, sprach kaum noch ein Wort, weder mit ihr noch mit Geralt. Beide merkten es, doch beide hofften noch, das sich die Situation beruhigen würde mit der Zeit. Doch es änderte sich nichts. Bis zu einem Abend.

Yaevinn, ein Elfenfreund von Maryana, Geralt und sie wälzten einige alte Aufzeichnungen um irgendwelche Hinweise auf den alten Blutsbund zu finden als eine junge Elfin einfach hereinplatzte. Eigentlich nicht ihre Art, also musste etwas passiert sein. Das Mädchen war völlig außer Atem, gab nur unverständliche Worte von sich. Geralt, der ohnehin Probleme hatte, die Elfensprache zu verstehen, sah die beiden anderen fragend an. "Aljana, langsam, wir verstehen kein Wort." Yaevinn wechselte für Geralt in die einfache Menschensprache als er seinen verständnislosen Blick bemerkte. "Altiere,... was passiert,... weiss nicht wer,... nur Schreie gehört,... Blut, überall Blut." prustete das Mädchen. Maryana wich die Farbe aus dem Gesicht: "Wo ist er?" "In deinem Haus.", Chireadan kam zu ihnen, "Niemand hat ihm was angetan, er war es selbst. Geh bitte zu ihm Maryana. Er fragt nach dir." Er schickte das Mädchen raus. Maryana wechselte in die Elfensprache, redete so schnell das Geralt nicht ein Wort verstand und genau das wollte sie erreichen. "Was hast du verdammter Bastard ihm angetan?" schrie sie. Sie und Chireadan, das war eine lange Geschichte. Ihre Wut aufeinander war schon ewig da. Er war Elbryans älterer Bruder. Und das dieser jetzt sein Leben verloren hatte, kurz nachdem der jüngste von ihnen es ebenso hatte, das war zuviel für die ohnehin schon angespannte Lage. "Was willst du von mir Mädchen? Ich habe nichts damit zu tun. Wenn sich dein feiner Verräterfreund was antut, dann heisst es noch lange nicht das ich was damit zu tun habe. Egal wo du auftauchst, du bringst nur Tod mit dir." er kam auf sie zu. Yaevinn stellte sich ihm in den Weg: "Beruhige dich. Du weisst nicht was du tust." "Etwas was ich schon lange hätte tun sollen. Geh mir aus dem Weg." er schob ihn ohne Probleme zur Seite. Geralts Hand wanderte zu seinem Schwert, doch Maryana legte ihm die Hand auf die Schulter, behielt aber ihren Gegenüber im Blick. "Was hast du vor? Mich töten? Ich, die den einzigen Nachfahren deiner Familie unter meinem Herzen trage?" ihre Worte waren für Chireadan wie ein Schlag ins Gesicht. Er hielt inne, zögerte, sah sie fassungslos an. Sie sah wie seine Hände zitterten. "Du hast richtig gehört. Ich trage Elbryans Kind in mir, also beruhige dich endlich und akzeptiere seine Wahl.", sie ging zur Tür, an ihm vorbei, "Akzeptier endlich mich, auch wenn es dir nicht passt. Ich habe Elbryan immer geliebt und glaube mir, ich leide genauso wie du unter seinem Verlust." Die Tür schlug zu hinter ihr. Die Blicke wanderten zu Geralt. "Du hast es gewusst Hexer, nicht wahr? Jedenfalls sagt man Euch ein Gespür dafür nach." seufzte Yaevinn. Er wusste es auch schon eine Weile. Geralt antwortete nicht, aber sein Grinsen sagte mehr als tausend Worte.

"Altiere, warum?" sie saß an seiner Seite, strich ihm sanft das Haar aus dem Gesicht. Tiefe Schnitte in den Armen, zwei Stichwunden im Bauch, mehrere kurze Schnitte am Hals. Die Heiler des Dorfes hatten sich um ihn gekümmert, doch nun war er schwach, hatte soviel Blut verloren, das er kurz an der Schwelle des Todes gestanden hatte. Er schluckte schwer, seine Stimme war mehr als zittrig: "Ich gehöre nicht mehr hierher, weder hierher, noch sonstwo. Ich will es beenden, lass mich gehen. Bitte, lass mich gehen." Innerlich erschrak sie. Eine solche Todessehnsucht hatte sie nicht erwartet. Was er sich angetan hatte zeugte von mehr als das. "Nein, ich lass dich nicht gehen. Ich weiss, es ist nicht leicht..." versuchte sie auf ihn einzureden. "Hör auf, hör auf zu reden. Du hast keinen blassen Schimmer wie es mir geht. Du wirst nicht behandelt wie ein Ausgestoßener, meinesgleichen will mich nicht hier haben. Schau mich an Maryana. Ich kann auch nicht zurück, weil es mir dort genauso ergehen würde. Du hast mich einmal gefragt ob ich in dieser einen Nacht lieber mein Leben gegeben hätte. Ja, ja verdammt nochmal ich wäre lieber verreckt. Scheiße." er fuhr hoch, doch der aufwallende Schmerz schickte ihn zurück aufs Lager. "Du bist so dumm Junge. Das muss ich dir sagen.", Geralt hatte alles gehört, "Du weisst nicht was diese Frau riskiert hat, als sie dich mit nahm, oder schon als sie dein Leben schonte. Die Todesstrafe hätte sie hier erwarten können. Sie hat tagelang mit den Dorfältesten geredet, das man dich hier duldet, also rede nicht so einen Unsinn. Das einzige was dich da draußen passiert, ist deine Strafe für die Fehler die du selber begangen hast, also trage sie gefälligst mit etwas mehr Stolz." Altiere wusste keine Antwort, schloss die Augen, drehte den Kopf zur Seite. Stille Tränen der Verzweiflung und Scham liefen über sein Gesicht. "Hey, nicht." sie nahm seine Hand. "Du weisst nicht was du an dieser Frau hast Elf. Du kennst sie nicht so gut wie ich. Ihre Gunst ist mehr wert als alles andere. Also enttäusche sie nicht weiter. Ich schwöre dir, bringst du ihr noch einmal solchen Schmerz zu, dann bekommst du es mit mir zu tun. Verzeih mir Mara, ich muss hier raus. Soviel Dummheit erträgt man nicht." Geralt nahm seinen Umhang und ging hinaus. Er würde vor Sonnenuntergang nicht zurück sein, das war ihr klar. "Ich bin für dich da Altiere, jederzeit. Wenn etwas ist, ruf mich. Und nun ruh dich aus." lächelte sie, deckte ihn zu. Der Elf hörte sie nicht mehr, die Erschöpfung hatte ihn in einen unruhigen Schlaf geschickt.

Yaevinn saß immer noch über den Aufzeichnungen als sie zurück kam. "Wie gehts ihm?" fragte er direkt heraus. "Schlechter als angenommen und doch besser als ich erwartet hatte. Er lebt, das ist die Hauptsache. Ich hätte nicht erwartet das es ihn so hart trifft. Kannst du was tun?" sie ließ sich auf den Stuhl neben ihm fallen. "Ich werde schauen was die anderen sagen. Du weisst wie das hier läuft. Tu mir dafür einen Gefallen: Rede mit Chireadan. So geht das mit Euch nicht weiter. Wie dem auch sei, ich hab was gefunden." er breitete eine alte Karte auf dem Tisch aus. Die Schrift war mehr als alt. Viele der Zeichen konnte sie nicht lesen, aber nicht weil sie verblasst waren, sondern weil sie sie einfach nicht kannte. Ehrfürchtig berührte die das Pergament. "Wenn ich mich nun nicht völlig irre wurde die Karte hier verfälscht. Sowas tut niemand von unserem Volk, wenn wir nicht etwas vertuschen wollten. Außerdem haben wir die Karte vor einiger Zeit jemandem abgenommen, der im Hain herumschlich und genauso gekleidet war wie du beschrieben hast." er zeigte auf ein Gebiet, das ihr vertraut vorkam. "Cintra? Warum dort? Da ist die Grenze zu Nilfgaard." sie überlegte. Es machte Sinn, so seltsam es auch war. Man sagte den Nilfgaard nach das ein großer Teil Elfenblut in ihren Adern strömte. "Ruh dich aus Maryana. Du überanstrengst dich. Denk an das Kind." er legte ihr die Hand in den Rücken. "Du musst mir etwas schwören. Keiner darf davon etwas erfahren, versprich es mir." sie wurde ernst. Es war die Prophezeiung, da war sie sich sicher. "Was?" verständnisslos sah er sie an. "Ich werde im Frühjahr den Hain verlassen, ohne das Kind. Zieh es auf Yaevinn als wäre es dein eigen. Nur hier wird es sicher sein." meinte sie ruhig. "Bist du verrückt? Ich...", sie konnte förmlich hören wie er seufzte, "Du denkst... verdammt. Daran habe ich gar nicht gedacht." "Und einst wird sich das Blut einer Gefallenen und eines Wächters vereinen, auf das es das ewige Schloss bricht. Noch bevor der sechste Zyklus des Lebens beginnt wird es erfüllt sein und die Macht das Land ergreifen." zitierte sie die Prophezeiung. "Es stimmt alles. Der Kult wird versuchen das Kind in die Hände zu bekommen. Ich schwöre es dir Maryana, bei mir wird es sicher sein." er legte die Hand auf die ihre. "Er." Geralt war unbemerkt rein gekommen. Er war pitschnass, hängte seinen Umhang nah dem Feuer auf. Sofort bemerkte er die verständnisslosen Blicke auf ihm. "Nicht es, er. Es wird ein Junge. Fragt einfach nicht, ja? Eines der Geheimnisse der Hexer. Was habt ihr rausbekommen?" er wrang seine nassen Haare aus. "Ein Hinweiss, besser als nichts." wechselte sie das Thema.

"Hast du einen Moment für mich?" es war schon spät als sie Chireadan aufsuchte. Es fiel schon wieder leicht Schnee. Er sagte nichts, nickte nur. Sie setzte sich zu ihm ans Feuer, schaute in die tanzenden Flammen. Eine angenehem Stille macht sich zwischen ihnen breit. "Es tut mir leid." meinte er plötzlich, den Blick weiterhin in das Feuer gerichtet. "Was?" fragte sie direkt. "Alles. Wir hatten keinen guten Start wir beide. Ich habe alles falsch gemacht was man nur falsch machen konnte. Du hast Elbryan geliebt. Ich hätte es sehen müssen das es aufrecht war." begann er. "Schon in Ordnung, mach dir keine Vorwürfe." versuchte sie die Situation zu beruhigen. "Nein, nichts ist in Ordnung. Innerhalb so kurzer Zeit habe ich die beiden verloren und nun... Ich war so blind. Die Menschen sind..." ihm fehlten einfach die richtigen Worte merke sie. Er war noch nie jemand gewesen der viel sprach."Der Hass der Völker ist ewig. Mein Körper mag der eines Menschen sein, aber in meinem Herzen bin ich eine von euch." sie glaubte ein Lächeln über sein Gesicht huschen zu sehen. "Fangen wir nochmal von vorne an? Immerhin trägst du unser Blut in dir." er schaute ihr in die Augen. Es war ehrlich von ihm gemeint. Sie lachte, nahm ihn kurz in den Arm.

"Es geht ihm immer schlechter. Womit auch immer er sich das angetan hat, es hat sein Blut vergiftet. Ich habe ihm etwas meiner Gifte gegeben das die Wirkung umkehrt. Keine Sorge, die Dosis war so niedrig. Fragt sich nur ob sein Körper mitspielt." Geralt saß an Altieres Seite als sie heimkam. Der Elf zitterte, war unheimlich blass. Als sie seine Stirn berührte, war diese mehr als heiß. "Was hast du ihm gegeben?" fragte sie ruhig, fühlte nach seinem Puls. Dieser raste. "Harmlos. Solltest selbst du in deinem Zustand vertragen können." meine er, gab ihr eines seiner Glasfläschchen. "Weiße Möwe..., ach Geralt, ich kann mit eurem Zeugs nicht anfangen. Eure Halluzinogene sind für mich wie die Zwergensprache. Viel Getöse um Rätzel die keiner versteht.", sie holte kaltes Wasser und ein Tuch, "Wir müssen sein Fieber runter bekommen." Sie sah, das teilweise die Verbände an seinen Verletzungen wieder blutgetränkt waren. "Er verliert noch immer Blut. Das ist zuviel in seinem ohnehin gesschwächten Zustand. Lass mich mal machen. Deine Leute wissen ja ne Menge, aber nicht wie man eine Vergiftung aus dem Körper bekommt und das schnell. Der Junge hat nicht mehr viel Zeit. Dieser Elf wird mich noch meinen letzten Nerv kosten." Geralt schob sie sacht zur Seite, öffnete die Verbände.

"Hier." ,sie gab ihm den Tee den sie gerade gemacht hatte, "Und danke Geralt." Sie gab ihm einen einfachen Kuss auf die Wange. "Mach das nochmal und ich komme auf dumme Gedanken." neckt er sie. "Du bist und bleibst ein Schürzenjäger alter Freund." sie legte den Arm um ihn, zwang ihn sanft aber bestimmt den Kopf auf ihren Schoß zu betten. Er ließ es einfach zu. "Was ist los? Du zitterst ja." lächelnd strich sie ihm ein paar Haarsträhnen aus dem Gesicht. "Es ist gerade etwas .... seltsam. Das ist alles." er schaute hoch zu ihr. Sie lachte: "Entspann dich einfach etwas, versuch zu schlafen. Halt mich nicht für blind. Ich weiß, das du die letzten Tage kaum geruht hast. Du brauchst endlich etwas Ruhe." Sie angelte nach der Decke hinter ihnen, breitete sie über ihm aus. Er gab sich geschlagen und bevor ihm klar wurde was er da tat, hielt er ihre Hand in seiner. Die Augenlider wurden ihm schwer und er sank in einen ruhigen Schlaf.



Kapitel 4 - Wege des Schicksal


Die Dunkelheit, wieder war sie da, umschloss ihn, umklammerte ihn, drohte ihn zu ersticken. Er konnte nicht atmen, sich nicht bewegen. Nicht ein Laut kam über seine Lippen. Panik keimte in ihm auf. Verzweifelt kämpfte er dagegen an, ohne auch nur den Hauch eines Erfolges. Sein Herz raste, drohte fast aus seiner Brust zu springen. Aus der Panik wurde nackte Angst und .... "Nein!!!" mit einem heiseren Schrei fuhr Yaevinn aus dem Traum hoch, realisierte kaum wo er sich befand. Er zitterte, sein Herz raste noch immer. Warme Arme legten sich um ihn, hielten ihn, gaben ihm einen Moment Halt. "Es war nur ein Traum. Beruhige dich bitte." Maryanas warme Stimme holte ihn auf den Boden der Tatsachen zurück. Er war über dem Buch eingenickt, das er gerade las. "Maryana,... " er setzte sich auf, strich sich den letzten Schlaf aus dem Gesicht. Einige Monate waren vergangen und inzwischen war es kaum zu übersehen, dass sie ein Kind unter dem Herzen trug. "Schon gut, musst mir nichts erklären." lächelte sie, ließ ihn los. "Wie du schon sagtest, es war ein Traum. Nicht mehr, nicht weniger." er wollte im ersten Moment aufstehen, doch als er merkte, wie ihm die Beine den Dienst versagten, blieb er sitzen. Sie sollte sich keine Sorgen um ihn machen. Außerdem... erkam sich lächerlich vor das sowas simples wie ein Traum dermaßen an ihm zerrte. "Hat Altiere sich erholt?" wich er aus. "Langsam, unendlich langsam. Geralt hat es zu gut gemeint. Seine Gifte und die Blutvergiftung haben seine Muskeln angegriffen. Ich weiß nicht ob ich ihn nächsten Monat mitnehmen kann." sie ging ein paar Schritte auf und ab. "Du kannst ihn auch nicht hierlassen." er spürte wie wieder Gefühl in seine Glieder floss. "Ich weiss. Halt mich nicht für dumm Yaevinn." der scharfe Unterton war kaum zu überhören. "Ich hasse diesen Ton in deiner Stimme. Ich spreche von Tatsachen und nichts anderem, also unterstell mir hier nichts, verstanden?" er sprang auf, der Stuhl krachte zu Boden. Sie seufzte. So fing es immer an. Ihrer beider stetigen Streitereien. "Beruhige dich mein Lieber, ich habe es nicht so gemeint." sie wusste, wie schnell er aus der Haut fahren konnte. Seit Geralt gegangen war und der Frühling Einzug hielt wurde es immer schlimmer mit ihm. Die Angst kehrte zurück, wie bei jedem hier. Die Angst ums nackte Überleben. Es war jeden Frühling so. "Ich teile meine Sorgen mit dir, das ist alles." sie kam wieder zu ihm, legte die Hand in seinen Rücken. "Von Jahr zu Jahr wird es schlimmer. Ich kann das Elend unserer Leute nicht mehr mit ansehen. Es bricht mir das Herz. Finde einen anderen Weg für dein Kind Mara, ich muss hier weg, ich kann nicht mehr. Verzeih mir bitte." er wolle sie einfach stehen lassen, einen Moment allein sein, doch soweit kam es nicht. Sie hielt ihn an der Hüfte fest, den Arm quer über seinen Bauch gelegt. Wäre er einfach weiter gegangen, hätte er sie umgerissen und das wollte er nicht riskieren in ihrem Zustand. "Was hast du vor?" fragte sie leise. "Nichts von dem du wissen solltest." er spürte wie sie die Hand zurückzog, ihn losließ. Einen kurzen Moment blieb er stehen, suchte nach Worten, aber es gab keine. "Dann geh, aber pass bitte auf dich auf. Ich möchte nicht eines Tages hören, das du ermordet worden bist." ihre Stimme war voller Sorge. "Das ist nicht meine Absicht, zu sterben. Nur etwas zu ändern." wieder war er kurz davor die Fassung zu verlieren. Erinnerungen schossen im durch den Kopf, Erinnerungen die er verdrängt geglaubt hatte. Er schloss die Augen, atme tief ein um sich zu beruhigen. Als er die Augen wieder aufmachte stand sie vor ihm: "Versprich mir einfach das wir uns wiedersehen." Warum er das plötzlich tat, war ihm selber ein Rätzel. Bevor er überhaupt realisierte was er tat, küsste er sie einfach. Sie sagte nichts, erwiderte seine Nähe nur. Sanft löste sie sich nach einem Moment von ihm und ging hinaus.

Sie träumte, sie musste einfach träumen. Es war einfach zu schön um wahr zu sein. Er stand einfach da, sah so aus wie an dem Tag als sie ihn verloren hatte. Der leichte Wind ging ihm durchs Haar. "Elbryan! Du bist tot! Ich habe dich sterben sehen." ihre Stimme war ihr selber fremd. "Ich habe nicht viel Zeit Liebste. Verzeih mir, ich wollte dich nicht erschrecken." er kam zu ihr, schloss sie in seine Arme. Selbst sein vertrauter Geruch war dort. "Du hast mir so gefehlt. Was tust du hier?" Tränen rannen über ihre Wangen. "Unser Kind ... es ist im Hain nicht sicher. Finde den Hexer, gib ihm das Kind. Er wird wissen was zu tun ist." er schaute sie ernst an. "Geralt? Was hat er damit zu tun?" sie spürte das sich etwas veränderte. Etwas zerrte an ihr, riss sie aus dem Traum. "Wir müssen uns beeilen. Hör zu, folge Yaevinn, gib das Kind an Geralt oder einen anderen Hexer aus Kaer Morhen. Eine große Schlacht steht bevor. Yaevinn darf nicht sterben, verstehst du mich? Pass auf ihn auf, das ist wichtig ... und hab ein Auge auf meinen Bruder. Wer weiss was der wieder für Unsinn baut. Ich liebe dich, deshalb gebe ich dich frei. Werde glücklich Maryana." und plötzlich war er fort. Allein stand sie nun da und dann spürte sie es, diesen immer wiederkehrenden Schmerz. Schlagartig wurde sie wach und nahm den Schmerz mit in die Realität. Da war ihr klar: Ihr Kind war auf dem Weg in die Welt, mit einem Schicksal auf den Schultern, zu schwer für solch ein kleines Wesen. "Ich verspreche es dir mein Herz." flüsterte sie in die Nacht.

In dieser Nacht kam er zur Welt, der kleine Schicksalsträger mit dem Namen Elbryon, zu Ehren seines Vaters wählte sie diesen Namen. Kaum das sie das Kind in den Armen hielt, tat sie das, was man ihr im Traum gesagt hatte. Sie stieg auf ein Pferd und ritt nach Kaer Morhen. Kaum das sie dort vom Pferd stieg, war auch schon Vesemir, der letzte Ausbilder der Hexer hier an ihrer Seite. "Ein Falke brachte uns die Kunde das du auf dem Weg zu uns bist." er nahm ihr das Kind ab, half ihr vom Pferd. "Danke Vesemir. Ist Eskel da? Ich muss mit ihm reden, dringend." sie richtete ihre Kleider. "Wir wissen bescheit. Jemand hat dem armen Falken den gesamten Verlauf der Geschichte ans Bein geheftet. Wir haben schon entschieden. Triss wird das Kind mit ins Kloster der Menethile nehmen und an Nenneke geben. Glaub mir, da ist es sicher. Niemand würde wagen sich dem Kloster mit Waffen zu nähern." er war besser informiert als sie erwartet hatte. "Wer hat euch die Nachricht geschickt?" sie war erschöpft, aber ihre Reise noch lange nicht zu Ende. "Ein Elf namens Yaevinn. Wir konnten kaum die elfische Sprache übersetzen." lachte er. "Eskel!" endlich kam er zu ihnen. Sie fiel ihm um den Hals. "Hey, so eine stürmische Begrüßung hatte ich nicht erwartet Schwesterherz." meinte er ruhig. Seit sie herausgefunden hatte, das der Hexer ihr Bruder war hatte sie oft Zeit in Kaer Morhen verbracht. Die alten Mauern beruhigten sie. "Ich kann leider nicht bleiben. Kümmert euch gut um Elbryon und richtet dem Kloster meinen Dank aus." sie gab ihrem Kind einen letzten Kuss , nahm die Zügel ihres Pferdes. "Yaevinn ist in Wyzima soll ich dir ausrichten. Er wartet dort auf dich bei einem Waldi, Waldo, wie war da nochmal,.....achja, Vivaldi!" Eskel half ihr aufs Pferd. "Ich weiss wer das ist. Macht es gut. Und grüßt mir Geralt wenn er mal wieder hier ist." die Ruhe wich aus ihr, als sie die beiden bedrückten Gesichter sah. "Geralt ist tot Mädchen. Hast du das nicht erfahren?" Vesemir sah sie ernst an. Entsetzt schüttelte sie den Kopf. "Es tut mir leid Mara. So unendlich leid. Ich weiss ihr wart Freunde." hörte sie entfernt Eskels Stimme. "Schon gut. ich muss weiter. Je länger ich warte, umso mehr schmerzt es. Lebt wohl! Wir sehen uns wieder." sie lenkte ihr Pferd hinaus aus der Burg.

Altiere wartete nicht weit entfernt auf sie. Der Elf hatte sich erholt, wenn auch noch nicht vollständig. Tiefe Narben waren geblieben und er war weit davon entfernt lange Schwertkämpfe durch zu halten. Aber seit dieser Zeit sprach er kaum noch. Sie machte sich Sorgen um ihn. Sie hoffte, das es nur eine Phase war, die auch wieder verging. Als sie wieder am Hang ankam, saß er schon auf seinem Pferd und hatte das Feuer gelöscht. "Wir müssen nach Wyzima, Yaevinn wartet auf uns." Sie zog die Karte aus der Satteltasche. Altiere verdrehte nur völlig genervt die Augen. "Willste wieder zurück? Ich halte dich nicht auf. Geralt van Riva ist tot Altiere. Wir müssen ohne seine Hilfe klar kommen." der Verlust ihres Freundes schmerzte sie tiefer als sie angenommen hatte. Einige Tränen liefen ihr übers Gesicht. "Der Hexer ist tot? Wie... Warum..." ungläubig sah er sie an. "Wir haben keine Zeit uns darüber Gedanken zu machen. Behalte die Erinnerung an ihn in deinem Herzen. Du verdankst ihm dein Leben." seufzend steckte sie die Karte ein. Zwei Tage würden sie bis Wyzima brauchen. Kurz sah sie zurück. "Leb wohl mein Sohn. Eines Tages wirst du begreifen warum ich das alles tat." flüsterte sie in den Wind.

"Du hast WAS vor? Sag mal, bist du völlig von Sinnen? Hast du dir Fisstech zu Kopf steigen lassen?" sie packte Yaevinn hart an den Armen als er ihr seine Pläne erklärte. "Wir können das nicht länger dulden. Die Menschen rotten uns aus Mara. Jeder Anderling zittert des Nachts um sein Leben. Schau dir Chireadan an. Er hat sich angepasst vor Verzweiflung und doch hat man inzwischen schon 2 Mal versucht ihn zu ermorden." fuhr er sie an. "Ich bin auch kein Mensch Yaevinn. Du weisst das. Aber ich gehe nicht mit Gewalt vor." sie ließ ihn los und fiel auf einen der doch sehr niedrigen Zwergenstühle. "Du hast zumindest das Aussehen von ihnen. Gewalt ist die einzige Sprache die diese Barbaren verstehen.", er kniete vor ihr, "Komm mit mir. Ich bitte dich. Ich sehe doch das du auch leidest." "Ich habe mein Kind weggeben müssen, damit es leben kann, ich habe Elbryan verloren und habe auch noch die Nachricht von Geralts Tod bekommen. Meinst du nicht, das das etwas viel ist für eine Frau?" sie sah ihm müde in die Augen. Und doch sah sie auch die Hoffnung darin. "Bitte, komm mit mir." er nahm ihre Hände. "Was soll er noch tun Mädchen? Er fällt doch schon auf die Knie." Golan Vivaldi, der Zwerg dem die Bank in Wyzima gehörte, mischte sich ein. "So unrecht hat er nicht finde ich." meinte Altiere trocken. Sie gab ihren Widerstand auf: "Na gut. Aber nur dir zur Liebe. Ich kann dich ja schlecht da draußen verrecken lassen." Stürmisch nahm Yaevinn sie in den Arm, allerdings etwas ungeschickt, so das sie beide samt Stuhl umfielen. Er fiel über sie, bleib einen Moment auf ihrer Brust liegen. Gelächter tönte durch den Raum. Golan und Altiere lachten scheinbar Tränen. "Ein Vorspiel wäre nicht schlecht gewesen bevor du zur Sache kommst." grinste sie ihn frech an. Die Röte stieg ihm ins Gesicht. "Verzeih." er rappelte sich auf die Beine und half ihr, es ihm gleich zu tun. "Schon gut." lächelte sie. "Na das nenne ich eine Abendvorstellung. Aber nun verschwindet am besten hier. Die Wachen sind des Nachts sehr streng. Zuviele Anderlinge in einem Haus bringt nichts als Ärger." Vivaldi ließ sie hinaus. Leise schloss die Tür hinter ihnen. Auch Yaevinn hatte sein Pferd am Haus des Bankinhabers festgebunden: "Dann lasst uns. Wie gesagt, wir müssen in durch den Sumpf." Noch immer war er hochrot im Gesicht. "Muss dir nicht peinlich sein. Hätte jedem passieren können." versuchte sie ihm etwas davon zu nehmen. "Red nicht so einen Unsinn." knurrte er nur, aber sie sah erleichtert das Lächeln das über sein Gesicht huschte. "Trotzdem war es zum Totlachen." Altiere lachte noch immer unverhohlen. Er biss sich auf die Lippen um nicht erneut los zu prusten. "Du kannst auch alles kaputt machen, oder?" sie schwang sich auf den Rücken ihres Pferdes. "Lass ihn, Recht hat er ja." meinte Yaevinn nur ruhig, bevor er sein Ross aus der Stadt lenkte.


Kapitel 5 - Der schmale Grat


Eigentlich hatte sie nicht lange bei ihm bleiben wollen. Dennoch dachte sie jeden Morgen an ihr Versprechen. Tage wurden zu Wochen, Wochen zu Monaten, Monate schließlich zu Jahre. Yaevinn baute nach und nach seine Kontakte unter den Zwergen und Elfen aus. Die, die seine Ideale teilten, schlossen sich ihm an, oder Unterstützten ihn auf die eine oder andere Art. Scoia'tael nannten sie sich, Eichhörnchen. Schnell sprach sich allerdings auch unter den Menschen herum das sich ein Widerstand bildete. Sie wurden zu Gejagten. Ihre Bemühungen an Nahrung, Medizin oder auch Waffen zu kommen wurden mehr als schwer. Einige von ihnen wurden von den Wachen Wyzimas gefangen genommen, hingerichtet oder einfach in Kerkern ermordet. Ein hoher Preis für die Freiheit, aber sie zahlten ihn aus freien Stücken. So viele Verletzte hatte sie noch nie versorgen müssen. Viele verlor sie trotz ihrer Bemühungen an den Tod. Ihe Suche nach dem Vermächtniss schob sie weit von sich. Sie hatte Zeit, viel Zeit, doch diese verstrich mit jedem Tag udnd er Tag der Entscheidung sollte eher kommen, als sie erwartet hatte.

Fast 5 Jahre waren vergangen. Sie erwartete eine Lieferung aus Wyzima um die sie sich diesmal selber kümmern wollte. Sie traute den Fährmann nicht so wie Yaevinn. Altiere begleitete sie so wie drei weitere Elfen, die sie kaum kannte. Sie waren erst vor kurzem zu ihnen gestoßen. Irgendwo aus Redanien stammten sie, das hatte sie aus ihnen heraus bekommen. "Das gefällt mir nicht, es ist zu ruhig." riss Altiere sie aus den Gedanken. Sie standen am Fluss, die Kisten neben ihnen. Der Fährmann hatte schon längst auftauchen müssen. Leise plätscherte das Wasser, und das Plätschern kam näher, zu nahe. Sie spürte, wie ihre Begleiter unruhig wurden. "Ihr drei, zurück. Wir machen das." ihre Hand wanderte zum Schwert auf ihrem Rücken, während sie mit der anderen den jungen Elf hinter sich zurück schob. Auch Altiere schwang ruhig sein Schwert in den Händen, bereit den Kampf zu eröffnen. "Ertrunkene!" mit einem Kopfzeichen wies er sie zum Ufer, auf das auf einmal mehrere dunkle Gestalten zukamen. Ihre silberne Klinge surrte kurz durch die Luft: "Nicht mehr lange!"

Es war wie eine Befreiung einmal nicht gegen unschuldige Krämer oder andere unterlegene Gegner anzutreten. Ihr Schwert war wie eine verlängerung ihres Armes, ihr Kampfstil glich eher einem tödlichen Ballett. Körper und Schwert gaben eine Einheit. Die Klinge wechselte die Hand, schnitt durch das modrige Fleisch der Untoten, brach den Zauber ihres Daseins. Und plötzlich... klirrend krachte ihre Klinge auf eine andere. Altieres war es nicht, da war sie sich sicher, da stand seinerseits seitlich hinter ihr und kämpfte. Sie drehte sich aus dem Schwung heraus, ein Bein auf dem Boden, das andere vor sich fest auf den Boden gestellt, beide Arme von sich gestreckt. Es war dunkel und sie konnte denjenigen vor sich nicht erkennen, nur die Klinge eines Schwertes das ihm Mondlicht aufblitzte, angriffsbereit. Der Angreifer kam auf sie zu, das Schwert hoch erhoben. "So nicht!" sie packte ihr Schwert mit beiden Händen, fing den Schlag mittig ab, drückte sich auf die Beine und rollte sich nach vorn ab. Wer immer sie angriff, er war schnell, hatte sie erneut im seinem Radius. Klingen krachten singend auf einander. Seine Angriffe waren fast perfekt, schnell und präzise. Aber,... diese Drehungen, den Kampfstil ... es war ihr vertraut, zu vertraut. Sie brauchte dringend Licht. Bei der nächsten Gelegenheit brachte sie Raum zwischen ihnen, entfachte eine einfache Flamme über ihre Hand und schmetterte sie in den nächstliegenden Holzhaufen. Hell flammte das trockene Holz auf. "Das kann nicht sein!" ungläubig sah sie ihn an. Aber er stand tatsächlich vor ihr, so wie sie in Erinnerung behalten hatte. Das weiße Haar, die gelben Augen, die Hexerkleidung. "Geralt? Geralt von Riva? Verdammt ich bin es. Erkennst du deine alte Freundin nicht mehr? Ich bin es, Maryana. Verdammt, steck das Schwert ein." sie ließ ihre Klinge in das Rückenholster rutschen. Sie sah seinen fragenden Blick, wie er unsicher wurde und doch schließlich das Schwert einsteckte. Etwas stimme nicht, das spürte sie nur allzu deutlich. Sie kam zu ihm: "Man sagte mir, du seist tot." "Das höre ich in den letzten Tagen nur allzu oft. Verzeih, aber ich weiss nicht wer du bist. Ich habe keine Erinnerung mehr an irgendjemanden." seine Verwirrung war echt, das merkte sie sofort. Das war nicht der Geralt den sie kannte. "Maryana Malderan, wir waren einst Freunde. Du warst in der Nacht dabei als ich Elbryan verlor. Egal, das spielt jetzt keine Rolle. Was ... wie... verzeih nun mir, aber ich versteh gerade gar nichts mehr." sie setzte sich rüttlings auf eine der Kisten. "Du sagtest mir der Hexer sei tot. Und für einen Ertrunkenen ist er mir zu lebendig." Altiere kam dazu, wischte seine Klinge ab und steckte sie ein. "Wenn ich jedes Mal nur 5 Orens bekommen würde wenn mir jemand sagt ich sei tot, ich hätte keine Sorgen mehr." knurrte Geralt. Maryana lachte: "Hast dich nicht verändert. Bist du der Händler den uns der Fährmann schicken wollte?" "Händler? Langsam, zum mitschreiben. Eine Frau und ein Haufen Elfen. Zwei Dinge die nicht wirklich zusammen passen. Wer seid ihr?" "Wir sind die Scoia'tael... " begann sie. Das konnte ja dauern.

Zwei der Elfenneulinge war zurück in den Sumpf mit der Lieferung verschwunden, Altiere war mit ihnen gegangen um ihnen zu helfen. Der Dritte war bei ihr geblieben. Schuldbewusst wurde ihr klar, sie kannte nichtmal seinen Namen. Für einen seiner Art war er noch verdammt jung. Er hatte sich neben sie ans Feuer gesetzt und irgendwann schien er eingenickt zu sein. Lächelnd legte Maryana den Arm um seine Schultern, ließ ihn sich an sie lehnen. Ohne auch nur ansatzweise wach zu werden schlief er an ihrer Schulter weiter. "Die Geschichte war verdammt lang." Geralt schaute in die Flammen. "Ich weiss. Wo warst du die letzten Jahre? Was ist mit dir geschehen?" die Frage ließ sie einfach nicht los. "Ich habe nicht die geringste Ahnung. Wenn ich das wüsste wäre mir auch leichter zumute." seufzte er. "Du suchst dir immer den schwersten Weg aus, nicht wahr?" lächelte sie. "Maryana, ich ..." den Blick von ihm kannte sie nur zu gut. Dazu war es die Jahre zuvor niemals gekommen und würde es auch jetzt nicht. Sie schätzte ihn, aber nicht auf diese Weise. "Geralt, nein. Wir sind und waren immer Freunde, nicht mehr, nicht weniger. Wir sind niemals im Bett gelandet und werden es auch niemals. Ich hab dich einfach zu gern als das sowas jemals geschehen wird." , sie weckte den Elf, "Die Sonne geht auf. Ich muss gehen. Pass auf dich auf alter Freund." Verschlafen stand ihr Begleiter auf, klopfte sich den Dreck von der Hose. Maryana nahm ihren Umhang, legte ihm diesen um die Schultern: "Komm." Sie wechselte in die Elfensprache, ungewollt. Solange Zeit hatte sie nur so gesprochen, inzwischen war es Gewohnheit. "Wir sehen uns sicher wieder Geralt, eher als du denkst." wechselte sie schnell wieder. Geralt sagte nichts, nickte ihr nur kurz zu.

"Altiere hat mir schon die selbe Geschichte aufgetischt. Ihr meint es ernst, oder?" er wischte sich den Schweiß von der Stirn. Kurz sah sie sich um. Er hatte einiger seiner Leute woanders hin geschickt. Das Lager war leerer als sonst. Der Elf der mit ihr gekommen war, gab ihr den Umhang mit einem leisen "Danke" zurück und gesellte sich zu einem Zwerg der auf einem der Bäume saß. "Ich scherze nicht Yaevinn, das weisst du. Aber jetzt setze dich endlich mal einen Moment hin und gönne dir etwas Ruhe. Du übertreibst es gewaltig." sie nahm ihm das Schwert ab, schon es zurück in seinen Gürtel. Schon wieder spürte sie wie er zurück schreckte. Seit Tagen schon distanzierte er sich von ihr, wich ihr aus oder ließ sich manchmal sogar verleugnen. "Was ist los mit dir? Ist doch sonst nicht deine Art." lächelte sie und doch kam nur sein trauriger Blick zurück als Antwort. Er ging, ließ sie stehen. Wo er hinwollte wusste sie: zum Druidenhain, dorthin wo er immer ging wenn er so war. Diesmal jedoch ließ sie ihn nicht einfach ziehen, folgte ihm, obwohl sie den Hain nicht wirklich mochte. Hier vibrierte geradezu die Magie. Sie spürte sie überall, in den Steinen, in den Bäumen, in den Pflanzen. Sie ließ die Hand über einen der Felsen streifen. Die Magie knisterte geradezu unter ihrer Handfläche. "Ich mag es nicht wenn du mir hierher folgst." er stand plötzlich hinter ihr. "Und ich mag es nicht wenn du vor mir fliehst. Dann sind wir ja quitt." sie drehte sich zu ihm um. Er schloss die Augen, schüttelte den Kopf: "Hör schon auf. Du weisst warum ich so bin wie ich nunmal bin." "Ich weiss es ebend nicht. Du weichst mir aus, du redest kaum noch mit mir ...." weiter kam sie nicht. Yaevinn legte die rechte Hand an ihre Wange und bevor sie begriff was geschah berührten sich ihre Lippen, ein leidenschaftlicher Kuss folgte. Er zog sie an sich, hielt sie in seinen Armen, zitternd, unsicher über das was er grad tat. Sie legte die Arme um ihn, erwiderte seine Umarmung, seinen Kuss. Hilflos wanderten seine Hände über ihren Körper. Er sehnte sich nach ihr, nach ihrer Nähe, ihrer Wärme, etwas das er schon lange unterdrückte. Immer wieder hatte er versuch sich auszureden was er für sie fühlte. Es war wie eine Befreiung dieser Kuss. Sanft löste er sich von ihr, hielt sie dennoch in seinen Armen, sah sie an. In ihren Augen war keine Wut, keine Ablehnung, nur Zuneigung. Sie ging ihm durchs Haar, lächelte einfach nur. Er war ihr mehr als Dankbar das sie keine Worte verlangte. Die wenigen Minuten kamen ihm vor wie eine Ewigkeit. "Warum hast du nicht früher etwas gesagt oder getan?" fragte sie dann doch. Seufzend wollte er sie loslassen, doch sie hielt ihn in ihrer Umarmung, lehnte den Kopf an seine Schulter. "Ich konnte es nicht." war alles was ihm dazu in Sinn kam. "Ich verstehe schon." sie lächelte, zog ihn sanft wieder zu sich hinunter, forderte ihrerseits nun einen Kuss. "Ähm, störe ich etwa?" fragte plötzlich jemand hinter ihnen. Erschreckt sah Yaevin auf. Es war niemand von seinen Leuten und auch keiner der hiesigen Druiden. "Ihr habt beide nicht übertrieben. Er lebt tatsächlich. Geralt von Riva, wer hätte das gedacht." etwas ungläubig sah er den Hexer an. "Nicht schon wieder.", seufzte Geralt, "Hier, das soll ich dir von einem Elf im Kerker von Wyzima geben. Er sagte nur, du wüsstest was zu tun ist." Er hielt Maryana einen Brief hin. Ihr wurde speiübel. Die Schrift war ihr nur zu vertraut. "Chireadan. Was zur Hölle hat er angestellt?" mit zitternden Händen nahm sie den Brief. Seit sie hier war hatte sie von ihm nichts mehr gehört. Nur Gerüchte besagten das er sich assimiliert hatte, dem Leben der Menschen angepasst. Irgendwo bei Trübwasser würde er nun leben. Sie las den Brief nicht, wusste auch schon so was zu tun war. Wenn sie das Wort "Kerker" schon hörte wurde ihr anders. "Yaevinn, ich..." sie suchte nach den richtigen Worten, ohne ihn zu verletzen in der nun schon ohnehin seltsamen Situation. "Geh, wir brauchen ihn und ich weiss wieviel dir seine Freundschaft wert ist, ich denke besser als jeder andere." er gab ihr einen Kuss auf die Wange und wandte sich dann Geralt zu, während sie den Sumpf Richtung Wyzima verließ.

"Wenn du oder einer von deinem Pack, das sich Stadtwache nennt, ihm etwas angetan haben, ich schwöre dir, ich mache dir wortwörtlich Feuer unter dem Hintern." keifte sie gleich den Anführer der Stadtwache an, kaum das sie deren Viertel betreten hatte. "Sie ist da, das hat ja gedauert. Er ist ziemlich ramponiert, aber nicht unsere Schuld. Beschwer dich bei den Anderlinghassern." konterte er gleich. "Ich kenne euch. Wenn ihr die Gelegenheit seht einem von den Elfen ein paar zu verpassen, dann tut ihr das ganz unauffällig. Wo ist er Vincent?" sie packte ihn an der Rüstung, rief sich aber gleichzeitig zur Ruhe. Sie spürte wie das Feuer in ihr aufzulodern begann. "Jederzeit zu Diensten Lady Malderan. Ihr wisst genau das ihr euch hier nicht sehen lassen sollt, ihr und euer Elfenpack. Geht hinunter zur Kerkerwache Jethro, er wird euch zu ihm lassen und nun lasst los, mir wird verdammt heiß." er stieß sie leicht von sich. Sie konnte sich es leisten mit den Stadtwachen so um zu gehen. Ihre Herkunft erlaubte ihr einiges. Als Magierin wagte man sich nicht wirklich an sie heran. Und das sie die Rüstung von Vincent ein wenig erhitzt hatte, das war ihre Art Respekt zu bekommen. "Geht doch, warum nicht gleich so." knurrte sie ihn an, ging zum Kerker hinunter. Die kalten Steinwände ließen sie erschaudern. Sie war nicht das erste Mal hier, aber jedes Mal schwörte sie sich zum letzten Male. Jethro war wie immer high. Das er Fisstech süchtig war hatte sie schnell bemerkt. "Hallo Jethro. Sind die Hasen heute lila oder blau?" grinste sie. Und wie immer bekam sie nur ein schiefes Lachen und einen hohlen Blick. "Lass mich zum Elf. Du kennst das Spielchen. Keine Fragen, keine Spielchen und ich verwandle dich nicht in das heutige Mittagessen der Schweine vom Nachbarshof." sie nahm sich einfach den Schlüssel von der Wand.

"Chireadan! Verdammt was haben die mit dir gemacht?" sie erschrak heftig als sie ihn sah. Geronnenes Blut im Gesicht von einer tiefen Wunde an der Stirn, die Lippe war aufgeplatzt, die Nase eindeutig gebrochen. Er hatte die Beine angezogen, hielt sich die Rippen. Das linke Handgelenk war dick und blau. "Ich hatte dir doch geschrieben du sollst nicht herkommen." seine Stimme war nicht mehr als ein Flüstern. "Du redest einen Unsinn. Wie kommst du in die Stadt? Haben dich alle guten Geister verlassen? Egal, ich will es gar nicht wissen. Du bist wie dein Bruder, unberechenbar. Komm her." sie legte seinen unverletzten Arm um ihre Schultern, zog ihn auf die Beine. Unwillig stöhnte er vor Schmerz auf, ließ sie aber gewähren. "Ich weiss nicht was passiert ist, ich war im Gasthof vor der Stadt, hab mich mit jemandem getroffen. Wir haben was getrunken und dann wird es schwarz. Als nächstes bin ich hier zu mir gekommen." er hielt sich an ihr fest so gut es ging. "Schon gut, wir finden schon raus was passiert ist. Ich kenne hier einen Zwerg bei dem du erstmal unter kommst, der kümmert sich um dich, bist du wieder auf eigenen Beinen stehen kannst. Alles andere sehen wir dann." sie wollte ihn nur noch hier raus haben. Mit letzter Kraft stellte er sich selbst hin, nur eine Hand auf ihre Schulter gelegt, stützte sich leicht auf sie: "Ich werde nicht wie ein Hund hier rauskriechen. Meine Würde lass ich mir nicht nehmen."

Sie ließ ihn nicht in der Stadt wie sie zuerst überlegt hatte. Chireadan redet auf sie ein mitzukommen, wollte dringend mit Yaevinn sprechen und diesen in die Stadt zu bekommen, das war als wolle man einen Hexer das Pflügen beibringen, ein Ding der Undenkbarkeit. Sie machten nur einen kurzen Halt bei dem Zwerg, bei dem es sich um Vivaldi handelte, um das Blut aus seinem Gesicht zu bekommen. Die Leute schauten ihnen verdächtig nach und sie wollte verhindern Vincent heute nochmal zu begegnen. Doch bis in den Sumpf kamen sie nicht mehr. Vincent platzte tatsächlich herein in das Haus des Zwerges: "Man sagte mir das man dich hier findet. Deine Elfenfreunde machen gewaltig Ärger, in der Bank." Sie wickelte gerade eine feste Leinenbinde um Chireadans gebrochene Rippen: "Kannst du nicht anklopfen? Aber danke, ich kümmer mich drum." "Wir. Und keine Widerrede." er sah sie recht verärgert an. "Dir bietet mal jemand Parolie? Nettes Bild. Ich bin weg." gerade noch rechtzeitig, bevor die Flamme sein Gesicht erreichte, schlug Vincent die Tür zu. "In deinem Zustand? Du bist ja wohl verrückt. Du bleibst..." sie zog die Bind fest. "Nichts da. Ich lass dich nicht mehr aus den Augen Maryana. Sie sind wieder da und sie wollen Elbryon." er stand auf, zog sich wieder an. Seine Bewegungen waren steif aber es schien ihm besser zu gehen. "Warum hast du vorhin nichts gesagt?" sie reichte ihm sein Schwert. "Bin ich lebensmüde? Wer weiss ob nicht einer von denen uns da Gesellschaft leistete.", mit schmerzerfülltem Gesicht bewegte er die Fingers seiner linken Hand, "Das wird noch dauern." "Du hast eindeutig zu lange unter Menschen gelebt, so wie du sprichst" lachte sie. "War das ein ja?" meinte er nur. "Hab ich eine Wahl? Lass uns nach dieser Sache über den Blutbund reden, ja? Dafür ist keine Zeit. Wenn Yaevinn da drin verstrickt ist, dann haben wir mächtig Probleme." bat sie und er schien zu verstehen.


Kapitel 6 - Alte Gefahren & Neue Wege


Als sie vor der Bank standen richteten sich gleich alle Schwerter auf Chireadan. "Sowas hab ich geahnt." knurrte er nur. "Lasst ihn, sie gehören zu mir!" Geralt kam zu ihnen. "Das ist einer dieser verdammten Anderlinge." einer der Stadtwachen ließ nicht locker. "Kann man nicht einfach hören, wenn der Hexer was sagt?" bedrohlich ließ Maryana einige recht große Flammen über ihren Fingern kreisen. "Aber..." viel weiter kam er nicht. Die Flammen die auf ihn zu schossen, rissen ihn zu Boden, versengten seine Brustplatte und seinen Speer, von dem nur ein Häufchen Asche übrig blieb. "Lege dich niemals mit einer Magierin an. Du ziehst immer den kürzeren." Geralt grinste vielsagend. "Gehen wir rein?" fragte sie ihn. "Ohne ihn, wir haben da schon genug Anderlinge drin, da brauchen wir nicht noch einen weiteren Abschaum." ein Bewahrer des Orden der Flammenrose kam auf sie zu. Chireadens Hand wanderte wutentbrannt zum Schwert. Maryana hielt sie fest, schüttelte den Kopf: "Nicht, du machst es nur noch schlimmer. Ignorier es einfach." Sie blieb bei ihm stehen, die Hand in seinem Rücken, versuchte ihn so etwas zu beruhigen. Er kochte vor Wut, das spürte sie, aber genau das wollten sie hier. Das er aus der Haut fuhr, etwas Dummes tat und sie einen Grund hatten ihm ein Schwert in die Brust zu bohren. Sie beleidigten ihn offen und ohne Zurückhaltung. "Jetzt lasst den Elf in Ruhe. Wir haben andere Probleme. Er kommt mit mir, keine Widerrede oder ihr lasst das hier eure Stadtwache machen und findet ein Massaker vor." Geralt übertönte alle ohne große Probleme. "Werden Hexer nun auch noch zu auch noch zu Anderlingfreunden? Das wird ja immer besser. Das ihr Mutanten euch zusammen tut hätte man sich denken können." das hämische Grinsen des Ritters der Flammenrose reichte. Im letzten Moment packte Geralt Chireadan an der Weste. "Lass den Unsinn, willst du unbedingt am Galgen enden?." zischte er ihn an. Irgendwie schaffte er es den wütenden Elf zu beruhigen. "Können wir endlich mal zur Sache kommen? Oder haben die Herren nur Zeit für Beleidigungen?" reichlich genervt verdrehte Maryana die Augen. Es reichte ihr.

"Ihr Elfen seit so verdammte Hitzköpfe. Erst denken, dann handeln, das weiss sogar ich." Geralt steckte das Schwert ein als er in der Bank in den Keller ging. Wie sich herausstellte steckte Yaevinn tatsächlich hinter all dem. Maryana hatte mit einem der Elfen im oberen Bereich gesprochen. Zwei Wachen hatten sie getötet, der Rest der Menschen lebte. "Das ..." viel weiter kam Yaevinn nicht. Hart schlug ihm Maryana mit der geballten Faust ins Gesicht. Die Lippe platzte auf, er schmeckte Blut. Er spuckte es zu Boden: "Fertig?" Die Wunde brannte wie Feuer, jedoch vielmehr schmerzte es ihn, sie hier zu sehen. So hatte er es nicht geplant. "Noch lange nicht. Hast du den Verstand verloren? Warum stellst du dich nicht gleich der Stadtwache oder bittest sie mit erhobenen Händen um die Todesstrafe?" schrie sie ihn an. "Beruhige dich. Ich weiss was ich tue." Blut lief ihm übers Kinn, tropfte zu Boden. "Halt mich nicht für dumm. Ihr macht das für Vivaldi. Aber das ist doch keine Lösung. Denkst du auch mal an die Folgen? Du hetzt die Leute da draußen weiter auf gegen uns." sie zeigte auf die Ausgangstür. "Uns? Du bist bei unsersgleichen aufgewachsen, mehr nicht. Du bist auch ein Mensch, dem kannst du nicht abschwören." meinte er nur. Sie sagte nichts, lachte laut los. Geralt schlug sich vor die Stirn: "Bist du so dumm Yaevinn oder einfach nur blind?" "Ich bin kein Mensch, ich bin eine Gefallene. Meine Vorfahren waren vom Blut der Ältesten, bis sich meine Familie mit den Menschen einließ um der Selektion zu entgehen. Ich bin ein Halblingswesen und da meine Mutter eine Elfenmagierin von reinem Blut war, mir ihre Magie verlieh und mich so zu einer Elfe mit menschlichem Aussehen machte, nennt man mich eine Gefallene. Ich dachte das hättest du verstanden als ich anfing nach der Prophezeiung zu suchen. Verdammt Yaevinn, du machst es mir nicht leicht." ihre Hand ruhte auf Chireadans Schulter. "Das wusste sogar ich." meinte dieser nur trocken. "Liebe macht blind für die Wirklichkeit. Also, was tun wir jetzt? Zieh deine Leute zusammen, ihr müsst hier raus." Geralt schaute sich um. "Es gibt einen Weg hier raus, aber den haben Kikimoren besetzt." er zog ein Tuch aus der Tasche, presste es auf die Lippe. "Ich kümmer mich drum. Es musst niemand mehr heute sterben. Halt deine Leute zurück." Geralt zog sein Silberschwert. "Elahdan, zeig ihm den Weg." wies er einen seiner Leute an, setzte sich aufs Geländer hinter ihm. Er war müde und erschöpft, alles war anders gelaufen als er es geplant hatte. Maryana schaute zu ihm und kam dann doch mit hängenden Schultern zu ihm, nahm ihm das Tuch aus der Hand und schaute nach der Wunde. "Tut mir leid. Ich hätte das nicht tun dürfen." ihre warmen Hände auf seiner Haut waren eine Wohltat für seine angespannten Nerven. "Schon gut, ich versteh dich." meinte er ruhig. "Ich geh mit Geralt, ein wenig Hilfe kann nicht schaden." meinte Chireadan und ging dem Hexer nach. "Du steckst bis zum Hals in Problemen, ist dir das eigentlich klar? Wie willst du aus der Stadt raus? Die Stadtwachen werden jeden und alles kontrollieren und auf alles ein Auge haben." ihr Blick war so besorgt das er schon ein schlechtes Gewissen hatte. "Es war alles nicht so geplant. Ich denke ich werde bei Vivaldi bleiben bis entweder die Wachen irgendwas ablenkt oder die Wogen sich geglättet haben." er ging sich kurz mit der Hand durchs Gesicht. "In der Stadt bleiben? Du scherzt. Eingesperrt sein, in einem Haus. Das hälst die niemals lange durch. Ich habe schon Elfen gesehen, die ein paar Tage Kerker fast in den Wahnsinn trieb." sie setzte sich neben ihn, legte eine Hand auf sein Bein. Traurig lächelte er sie an, legte seine Hand auf die ihrige: "Habe ich eine Wahl?"

Die Kloaken stanken bestialisch, lösten fast schon einen Brechreiz aus. Ratten, Ungeziefer und einige Ertrunkenen Toten fand man hier nur. Nur das singen einiger Klingen brachen heute die Stille. Geralts Tritt schickte die letzte Kikimore in ihre Klinge. Im Schwung drehte sie die Klinge und durchtrennte sauber den Chitinkopf des Untieres. "Das wars. Und nun verschwindet falls nicht doch noch eine von Euch das Bedürfnis hat seinen Kopf verlieren." er steckte die Silberklinge ein. Erst jetzt fiel Maryana auf, die Runen auf der Klinge kannte sie nicht: "Das ist nicht dein Silberschwert." "Ich weiss. Ich suche den Besitzer des Schwertes, aber woher weisst du das?" meinte er ruhig. "Ich habe deine Klinge mehr als einmal in Händen gehalten." lächelte sie. Sie fand es mehr als traurig das er sich an nichts mehr erinnerte. Sie hatten soviel gemeinsam erlebt und nun, weg, alles weg. Ihr blieb nur noch die Hoffnung, das er sich vielleicht einmal daran erinnerte. "Ich gehe zu Vivaldi. Chireadan geht mit mir. Sehen wir uns bald wieder?" Yeavinn riss sie aus ihren Gedanken. Sie antwortete nicht sofort, umarmte ihn, küsste ihn sanft. Etwas stimmte nicht, das spürte sie sofort, nahm sich vor schnellstmöglich nach ihm zu schauen. "Frag nicht sowas. Ich komme so schnell es geht nach. Ich lass dich nicht allein ziehen." unwillig ihn gehen zu lassen löste sie sich von ihm und er ging. "Er hat eine ernsthafte Verletzung, gibt es dir gegenüber nicht zu." gedankenverloren sah ihm Geralt nach. "Woher willst du das wissen?" fragte sie frech. "Ganz einfach. Im Kampf hat er sich zurück gehalten, immer wieder an seine Seite gefasst und das Gesicht verzogen. Seine Bewegungen waren mehr als steif." in seelenruhe durchsuchte er eine der Leichen, zog einen Schlüssel aus deren Tasche. Es durtchzog sie eiskalt. Wenn das stimmte was Geralt bemerkt hatte, dann war Yaevinn ernsthaft verletzt. Im zweiten Nilfgaard Krieg, bei der Schlacht um Brenna, er war dabei gewesen, hätte fast sein Leben gelassen. Seine rechte Seite zierten tiefe Narben. Wenn diese wieder aufgebrochen waren, sie wollte gar nicht daran denken. "Du schaust so ... pass auf!" mitten im Satz riss er sein Schwert vom Rücken und fing eine Klinge kurz vor ihrem Hals ab. Sie ging in die Brücke, riss ihrerseits das Stillet aus dem Stiefel und rammte es im Fall dem Angreifer in den Oberschenkel. Es war eindeutig einer von ihnen. Wie damals war es eine schwarz vermummter Elf. Sie musste gar nicht lange überlegen, sein Körperbau verriet alles. "Der Blutbund ist zurück." schoss ihr durch den Kopf. Der Angreifer stolperte ein paar Schritte zurück, riss das Messer aus dem Bein, schmiss es in die Kloake. Blut lief ihm über das Bein. Er schien es zu ignorieren, zog das Schwert und ging erneut zum Angriff über. Maryana zog ebenso ihr Schwert. Eine halbe Drehung und die Klinge krachten hart aufeinander: "Verschwinde Geralt. Das ist nicht deine Angelegenheit." Sie heilt der Kraft stand, auch wenn sie ihre Klinge mit beiden Händen halten musste. Metall rieb über Metall, ein grausiges Geräusch hallte durch die Kloaken als sie die Klinge auseinanderzogen. Erneut eine Parade, eine Drehung und sie wurde aus dem Gleichgewicht gebracht. Doch noch bevor sie zu Boden geschmettert wurde, packte sie der Hexer bei der Hand, riss sie aus dem Radius: "Ich mach es zu meiner Angelegenheit. Hab ich das gerade wirklich gesagt?" Er hielt sie auf seinem Arm, schwang mit dem anderen seine Klinge. "Verschwinde Mutant, steh uns nicht im Weg. Sie gehört uns." die Gestalt griff an, hatte aber nicht mit der Art der Gegenwehr gerechnet. Beide setzten instinktiv das ein, was sie einst von Vesimir gelernt hatten. von zwei Seiten griffen sie den Angreifer an, setzten in unter Druck, zwangen ihn in die Defensive. Ein tödliches Ballett, wenn sie gewollt hätten, hätten sie ihn töten können. Geralt war etwas schneller, trainierter als sie, fiel nicht so oft aus dem Takt. Drei Angriffsalven auf Brust, Bauch und Beine, Rückzug. Die Klinge verletzte ihn leicht, schnitt sich durch schlechte Rüstung, ritzte leicht in Haut. Als sie ihn endlich in eine Ecke gedrängt hatten, zog er plötzlich etwas aus der Tasche, schmiss es auf den Boden. Unglaublich helles Licht blendet sie, nahmen ihnen die Sicht. Geralt stöhnte kurz vor Schmerz auf. Seine Augen vertrugen eine solche Helligkeit gar nicht. Einen Moment später war es vorbei und wer immer er war, er war verschwunden. Sie blinzelte, sah wie durch Nebel: "Geralt?" "Dieser verdammte Bastard. Wenn ich den in die Finger kriege ist er fällig. Keine Gnade." seine Augen tränten, blinzelten dauernd. Sie webte einen leichten Zauber, gab ihm etwas Linderung: "Besser?" "Danke, ja. Ich sehe kaum etwas." er stützte sich an der Wand ab, rieb sich die tränenden Augen. "Setz dich. In wenigen Momenten wird es besser." lachte sie, ließ sich an der Wand herabsinken. Es begann also erneut.

"Verdammt Mädchen, gut das du hier bist." Vivaldi packte sie am Arm, zog sie ins Haus. Sie hatte dem Zwerg gar nicht soviel Kraft zugetraut. "Meine Güte Golan, was ist los?" sie stolperte hinter ihm her. "Yaevinn treibt mich in den Wahnsinn." knurrte er, ließ sie allein. Yaevinn saß am Feuer, schaute in die Flamme und schien völlig in Gedanken: "Er soll aufhören sich darum Gedanken zu machen. Ist halb so schlimm." Er stand auf und auch sie bemerkte sein schmerzerfülltes Gesicht als er seine rechte Seite belastete. Sie seufzte. "Ausziehen, jetzt." Sie zog ihre Handschuhe aus und legte den Mantel zur Seite. "Was?völlig irritiert sah er sie an. "Runter mit dem Oberteil. Ich will deine rechte Seite sehen. Die Narbe ist aufgebrochen nicht wahr?", sie musste lachen als sie bemerkte wie hochrot er war, "Nicht was du denkst." Sie kam ihm nah, löste seinen Schultergurt. "Das würde ich nicht tun wenn ich du wäre. Da kommen mir ganz andere Dinge in den Sinn." mit Leichtigkeit hob er sie hoch. Sie hatte keine Wahl, sie schlang die Beine um seine Hüften um nicht weg zu rutschen. Heiß spürte sie seinen Atem an ihrem Hals, bevor er sie dort sanft küsste. Sanft ließ er sie auf den Tisch hinter ihnen hinunter, drängte sich zwischen ihre Beine, presste sie zärtlich, aber dennoch bestimmend an sich. Sie ließ sich fallen, überließ ihm alles. Die Leidenschaft brannte geradezu in ihr. Sie wollte ihn spüren, nah, ganz nah. Alles andere war ihr egal. Er hielt einen Moment inne, strich ihr liebevoll über die Wange. Seine Augen sprachen Bände. Er sehnte sich nach ihr, wollte sie genauso sehr wie sie ihn. Sie brauchten keine Worte. Ihr Kleid rutschte zu Boden, gab den Blick auf ihre tätowierte Schulter und Brust frei. Keine Worte, nur Zärtlichkeit.

Leise knisterte das Feuer im Ofen. Er lag über ihr, drang tief in sie ein, zögerte einen Moment. "Was ist?" flüsterte sie ihm ins Ohr. "Nur wenn du es auch willst." seine Finger streichelten ihren Hals. Sie lächelte: "Das fragst du noch? Lass es uns einfach tun. Lass dich fallen und denk einfach nicht soviel darüber nach." Sie küsste ihn, erst zärtlich dann immer leidenschaftlicher. Er ließ sich fallen, ließ das hier und jetzt los. Liebevoll bewegte er sich in ihr. Erst zurückhaltend, doch dann immer fordernder. Das Pochen zwischen ihren Schenkeln nahm zu, kam ihrem Höhepunkt schnell näher. Hände verkrampften sich in seinem Rücken, ihre Nägel hinließen ihre Spuren auf seiner Haut. Mit jedem Stoß seiner Lenden wurde sie lauter, stöhnte unverhohlen. Dann zerbrach die Welt um sie herum als sie zum Höhepunkt kam in tausend Scherben und auch er verströmte sich heiß in ihr. Sie presste ihn an sich, wollte ihn so nah es nur ging spüren, eins mit ihm sein. Schwer atment ließ sie ihn nach einer Weile los, ein Kuss empfing sie wieder in der Realität. Auch ihm stand der Schweiß auf der Stirn. Keiner sagte ein Wort, schweigende Verbundenheit. Er löste sich von ihr, legte sich neben sie und zog sie wieder sanft in seine Arme. Sie kuschelt sich an seine Brust. Ihr brannten Worte auf der Seele, aber dieser Augenblick war so vollkommen, sie wollte ihn nicht zerstören.

"Du musst etwas aufpassen. Irgendwer hat dir ein Schwert über die Narbe gezogen, sie erneut aufgerissen. Aber schaut schlimmer aus als es letztendlich ist." mit etwas Wasser wusch sie seine Wunde aus. "Hatte ich mir schon gedacht. Was hast du nun vor?" er zog sich das Haar aus dem Gesicht. "Ich werde Geralt etwas unterstützen. Und dann? Richtung Trübwasser. Chireadan ist dort zu Toruviel. Irgendetwas wollte er von mir, kam aber nicht mehr dazu mir alles zu erzählen. Es ist zu gefährlich für ihn hier in der Nähe. Irgendwer wollte ihn töten, hat ihn vergiftet und in die Stadt gebracht. Ich hab ihn gerade noch aus dem Kerker bekommen. Ich mach mir eher Sorgen um dich. Sie zu so schnell es geht hier wieder raus zu kommen. Du und Städte, das geht nicht gut." sie trat ans Fenster, sah hinaus. "Musst du nicht, ich komme zurecht." er trat hinter sie, legte die Arme um ihre Schultern. "Ich weiss, ich weiss" trotzdem seufzte sie. Die Zeit des Friedens war vorbei, die Schlacht begann. Und doch brachte sie ihr etwas. Sie hatte sich in Yaevinn verliebt. Elbryan hatte sie freigegeben, er wollte das sie glücklich war.




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